Sonntag, 15. Dezember 2013

Thanksgiving in Israel und Umzug

Wieder ein Monat um. Die Zeit vergeht so verdammt schnell wenn man viel zutun hat und jeden Tag etwas neues entdeckt.

Inzwischen hat die Weihnachtszeit begonnen. Ich komme nicht so richtig in Weihnachtsstimmung aber überraschenderweise ist mir das gar nicht so wichtig. Ich habe inzwischen meine Gastfamilie gewechselt und habe jetzt endlich meinen eigenen Raum und kann nach zwei Monaten nun endlich vollständig ankommen. Auch meine neue Gastfamilie ist unglaublich herzlich und nett. Sie geben sich sehr viel Mühe um uns und ich fühle mich sehr wohl. Sicher fühle ich mich auch, denn mein Raum ist ein "Saferoom", den fast alle neuen israelischen Häuser haben. Im Falle eines Angriffes ist man in solchen Räumen sicher und geschützt (hoffentlich wird dieser Raum auch weiterhin nur als Gästezimmer genutzt). Meine neue Gastfamilie ist, genau wie die andere, arabisch christlich. Ich habe in meinem Leben noch nie so oft Schisch Bisch (Backgammon), Schach und Mühle gespielt, wie in den letzten Tagen. Solche Brettspiele mit der Gastfamilie machen nicht nur Spaß, sondern sorgen auch für etwas weihnachtliche und heimische Atmosphäre. Der Weihnachtsbaum aus Plastik, die einarmige Santafigur, die pausenlos Jinglebells dudelt und die ansonsten für deutsche Verhältnisse etwas kitschig wirkende Weihnachtsdekoration, waren dagegen eher weniger stimmungsvoll. Alles in Allem bin ich zurzeit sehr zufrieden.

Am Anfang des Monats haben wir, wie die Überschrift vielleicht schon verrät, in Beit Uri (nahe Afula) Thanksgiving gefeiert. Traditionell israelisch eben... Nein, eine Freiwillige hier hat US- amerikanische Wurzeln und sich gewünscht auch dieses Jahr zu feiern. Zwar nicht mit ihrer Familie, aber dafür mit uns anderen Freiwilligen. Für mich war das alles sehr spannend und ich habe nicht nur das Wiedersehen, sondern auch die Atmosphäre sehr genossen. Auf dem Rückweg von Afula nach Nazareth haben wir wieder eine sehr nette Bekanntschaft mit einem Araber gemacht, der mal eben eine halbe Stunde Umweg in kauf genommen hat um uns direkt bis nach Schfar'- Amr und bis vor unsere Haustür zu fahren.

Es haben sicher schon die meisten von euch gehört, aber der Winter ist dieses Jahr in Israel, Ägypten und dem Libanon besonders hart eingeschlagen. In Jerusalem liegt bereits Schnee. Die Nachrichten sind voll mit Bildern von Menschen, die Schneemänner bauen und den Winter genießen und von Katastrophen die das Leben der Menschen, in den betroffenen Gebieten, sehr schwer machen. Diese "katastrophalen" Bilder aus Jerusalem haben mich jedoch etwas schmunzeln lassen, da die Menge an Schnee, verglichen mit den Mengen in Nordeuropa, doch recht überschaubar sind. Man muss allerdings fairerweise sagen, dass ein Land wie Israel auf so einen Winter wirklich nicht vorbereitet ist.

Ich werde bald wieder mehr schreiben aber das soll nun erstmal reichen.    

Sonntag, 24. November 2013

Am Toten Meer, Ein Gedi und Kafr Kanna


Ich war vor zwei Wochen wieder einmal unterwegs. Diesmal ging es ans Tote Meer. Davon werde ich hier berichten. 

Wir haben uns diesmal vorausschauend für Freitag frei genommen, so dass wir nicht wieder am Shabbat reisen mussten.
Als wir von Jerusalem aus durch die Westbank fuhren, hatte ich das erste Mal den Konflikt vor Augen der in Israel so präsent ist. Wir fuhren über eine israelische Straße mitten durch palästinensisches Gebiet. Der Bus fuhr auch durch eine Siedlung in der Nähe von Jericho. Dort wurde mir bewusst, was für Welten selbst hier,zwischen den Siedlungen und den arabischen Städten liegen. Während rund um die Siedlungen trockene und gnadenlose Wüste vorherrscht, sind die Siedlung aufgrund der guten Bewässerung grün und sehr idyllisch. Es sind kleine, streng bewachte Paradiese hinter Sicherheitszäunen. Die Wüste ist zwar auch wunderschön und sehr beeindruckend, jedoch war dieser Unterschied für mich so bizarr, dass ich die Wüste nur teilweise genießen konnte.

Unser Platz am Toten Meer war sehr abgeschieden. Das hatte Vorteile aber auch einige Nachteile. Ein großer Vorteil war, dass weit und breit kaum Touristen zu sehen waren. Die einzigen Menschen, die wir trafen, waren Leute die vorwiegend am Toten Meer wohnten. Sie suchten die große Freiheit und haben beschlossen ein halbes Jahr am Toten Meer zu campen und im Sommer weiter zu ziehen. Mir kamen sie vor wie Dauercamper. Nur eben ohne Wohnmobil, spießige Gartenzwerge und um ein vielfaches freundlicher und offener als die Dauercamper die man auf so manchem deutschen Zeltplatz antrifft.
Diese Gesellschaft war mir persönlich viel lieber als die üblichen Touristen, die man überall findet. Ein Nachteil war, dass in dieser Gegend viele Diebe unterwegs sind. Daher mussten wir verschärft ein Auge auf unser Hab und Gut werfen. Es ist unglaublich, dieses Land ist so klein und dennoch ist es so vielseitig wie kaum ein anderes Land. Das Tote Meer ist auch wieder ein Ort der mich total fasziniert hat. Der Stand ist voller Steine und mit den Felsen rings herum sieht es manchmal so aus als befände man sich auf einem anderen Planeten. Ich glaube diese Location wäre der perfekte Drehort für eine Folge Star Trek gewesen.
Man sieht nur wenige Pflanzen, die dem Wassermangel und dem extrem salzigen Boden standhalten können. Im Meer dann zu schwimmen ist so ziemlich eine der lustigsten Sachen die ich bisher gemacht habe. Es macht einfach unheimlich viel Spaß und man kommt nicht drum rum sich wie ein Kind aufzuführen sobald man feststellt, dass man in diesem Wasser tatsächlich nicht untergehen kann.
Rund um das Tote Meer gibt es viele Süßwasserquellen. Wir konnten also später problemlos das Salz und den Schlamm von uns waschen. Die Nacht wollten wir am Strand unter freiem Himmel verbringen. Die Vorstellung war schön und wir freuten uns so wenig Geld auszugeben. Jedoch bereiteten uns die Mücken, Fliegen und der unglaublich harte und unebene Boden eine unvergessliche Nacht. Die meisten von uns wachten völlig zerstochen und verkrampft auf. Selbst ich, der wie immer sehr viel Mückenspray aufgetragen hat, wurde nicht verschont. Wir machten uns am nächsten Tag dennoch auf in den En Gedi Nationalpark. Da der Weg allerdings sehr lang war beschlossen uns in kleine Grüppchen aufzuteilen und zu trampen. Das funktioniert in Israel noch ganz gut. Als halbstarker 18 jähriger Kerl sollte man aber darauf achten mindestens mit einer weiblichen Person zu trampen. Zum Glück waren wir nur 3 Kerle so konnten wir uns so verteilen, dass in jeder Gruppe nicht mehr als eine männliche Person ist.
Der En Gedi Nationalpark war wunderschön. Eine Oase mitten in der Wüste. Mit Wasserfällen, Pflanzen und Tieren. Es war wie in einem Dschungel, nur ohne Mücken und Luftfeuchtigkeit. Die Tierwelt die uns hier geboten wurde war zwar überschaubar, aber die ein oder andere Überraschung gab es schon. Neben Steinböcken und Krähen, gab es auch ein Tier was ich noch nie zuvor gesehen habe. Es heißt Schliefer (auf hebräisch Hyrac), sieht aus wie ein fettes Murmeltier und sein nächster Verwandter ist ein großes graues Tier, welches normalerweise in der afrikanischen Savanne wohnt. Wer weiß es? Es fängt mit E an und hört mit lefant auf.

Am Abend mussten wir wieder trampen um in die nächst größere Stadt zu gelangen. Wir wurden von einem netten israelischen Studenten mitgenommen, der uns bis Tel Aviv mitnahm. Die Gespräche die man hier mit den Einheimischen führt sind immer wieder unglaublich interessant. Er war Israeli der in einer Siedlung in der Westbank lebt. Was mich immer wieder etwas verärgert und traurig macht ist, dass man immer wieder auf leichte Angst vor Arabern trifft und manchmal auch auf richtige Abneigung. Beim trampen wurde uns gesagt wir sollen nicht zu Arabern einsteigen, auf die könne man sich nicht verlassen. Das ist schwachsinnig und eigentlich echt rassistisch. Das eine junge Frau nicht alleine zu fremden Männern ins Auto steigen sollte ist klar. Aber das sollte sie in keinem Land egal ob Israel, Deutschland oder Bukina Faso. Das hat nichts mit der Ethnie eines Menschen zu tun sondern mit der Tatsache, dass sich Frauen in einer bedrohlichen Lage schlechter währen können, da sie in der Regel physisch schwächer sind. Solche Aussage, dass man also nicht zu Arabern ins Auto steigen sollte ist daher ein bloßes Zeichen für Angst. Angst vor Menschen die man nicht kennt, die anders sind als man selbst und mit denen man am liebsten nichts zu tun haben will. Dieses Problem kennt man ja auch zu Genüge aus Deutschland. Noch am selben Abend machte ich eine ganz andere Erfahrung.

Durch das Trampen fuhren wir sehr umständlich und lange bis nach Afula zurück. Von dort wollten Miriam und ich nach Nazareth und von dort nach Schefa'- Amr. Es war schon sehr spät und wir sehr müde. Wir stiegen in einen Bus von dem wir annahmen, dass er uns nach Nazareth bringen würde. Das tat er nicht. Stattdessen fuhr er in einen Vorort der Nazareth Illit hieß. Wir waren todmüde und realisiert erst dass wir falsch waren, als der Busfahrer verwirrt nach hinten schaute und uns fragte wo wir denn eigentlich hin wollten. Als wir Nazareth sagten, schaute er uns verständnislos an und fing sofort an sich wild mit dem letzten Fahrgast zu unterhalten, der außer uns noch im Bus saß. Sie unterhielten sich auf Arabisch. Es wurde sehr schnell klar, dass kein Bus mehr nach Nazareth oder Schefa'- Amr fuhr. Als wir ausgestiegen sind waren wir schon drauf und dran bis nach Nazareth zu laufen, um von da aus zu versuchen zu trampen. Uns war klar dass um diese Uhrzeit wohl kaum jemand noch nach Schefa'- Amr fährt. Wir machten uns schon auf eine sehr lange und extrem anstrengende Nacht gefasst, als uns der junge Mann, der außer uns noch im Bus war, auf und zu kam und uns ansprach. Er fragte wo wir denn hin wollen und ob er uns helfen könnte. Wir erklärten unsere Lage und fragten ihn in welche Richtung den Nazareth liegt. Er antwortete nicht sondern sagte nur: " Es ist zu spät um noch nach Schefa' Amr zu fahren. Kommt lieber mit in mein Haus, übernachtet dort und morgen früh könnt ihr von dort aus mit dem Bus fahren." Wir zögerten und wollten uns eigentlich nicht dermaßen aufdrängen, vor allem weil wir den jungen Mann nicht kannten. Bevor wir antworten konnten fanden wir uns schon zusammen mit seinem Bruder in einem Auto wieder und waren geradewegs auf dem Weg zu ihm nach hause. Es war für uns unfassbar.

Wir fuhren durch kleine arabische Ortschaften bis wir uns auf einmal an einem Ort wieder fanden, der sich Kafr Kanna nannte. In der Bibel ist er als Kanaa bekannt und er soll der Ort sein an dem Jesus auf einer Hochzeit Wasser zu Wein machte. Wir worden unglaublich freundlich mit Tee, Brot und kleinen Speisen empfangen. Ich wiederhole: es war 23 Uhr und wir waren wildfremde Leute für diese Familie. Die Familie bei der wir Zuflucht fanden war sehr religiös und lebte in einem einfachen aber schönen Haus. Obwohl sie selber in schlichten und einfachen Verhältnissen lebten, bemühten sie sich dass wir uns so wohl wie möglich fühlten. Das gelang ihnen auch und wir hatten ein wirklich schlechtes Gewissen, dass wir ohne eine Gegenleistung so umsorgt wurden. Die Mutter der Familie erzählte viel von ihren fünf Söhnen und dass sie in ihrem Haus schon oft Volontäre oder Gäste aus Europa hatte. Sie freute sich wunderlicher Weise sehr über unseren nächtlichen Besuch und machte gleich klar dass wir jeder Zeit wieder herzlich willkommen sind. Wir waren immer noch geschockt wie plötzlich das alles passierte. Nach einem ausgiebigen schönen Essen gingen wir schlafen. Am nächsten Morgen tranken wir noch Tee, bedankten uns vielmals und gingen zum Bus. Auf dem Weg nach hause waren wir noch ganz erfüllt von so viel Gastfreundlichkeit. Und das passierte ausgerechnet an dem Tag, an dem uns ein anderer Mensch noch davor gewarnt hat zu Arabern ins Auto zu steigen.

Und hier ist der Post auch schon zu Ende. Es kommt zwar etwas abrupt aber mehr gibt es zu an dieser Stelle nicht zu sagen. Wie immer Ende ich noch mit ein paar Bildern.

 Am Toten Meer ( der Rest erklärt sich von selbst)


Ich glaube mein Gesicht verrät, dass ich die Idee mit dem Schlamm am Ende nicht mehr so gut fand. 



die Unbequemste Nacht in Israel (bis jetzt) aber es war trotzdem aufregend und ich würde es wahrscheinlich immer wieder tuen
in Ein Gedi Nationalpark

Auf dem Weg nach Ein Gedi
der Schliefer 










in Kafr Kanna

klein aber sehr schön
Bildunterschrift hinzufügen

unser Quartier  in Kafr Kanna

Ach übrigens. Es gibt sicher einige die sich fragen, ob ich überhaupt noch arbeite :) . Ja, ich arbeite noch im Kindergarten, mir macht es immer noch sehr viel Spaß und ich denke das wird auch die restliche Zeit so bleiben.




Mittwoch, 6. November 2013

Ein Monat

Nun ist schon über ein Monat vergangen, seitdem ich hier bin. Obwohl in letzter Zeit nicht so viel spannendes passiert ist, denke ich, dass es trotzdem etwas zu erzählen gibt und das möchte ich natürlich niemandem vorenthalten. Nur wo fange ich an?

Ich denke, da der Großteil meines Tages von meiner Arbeit bestimmt ist, sollte ich auch mit ihr beginnen und etwas darüber berichten.
Natürlich macht mir meine Arbeit immer noch sehr viel Spaß und ich bin dankbar über jede Erfahrung, die ich hier sammeln darf. Aber es ist schon manchmal etwas anstrengend, besonders wenn man 8 Stunden arbeiten muss und in jeder Nacht zuvor wieder in den bitteren Kampf gegen die Mücken im Zimmer ziehen musste. Dieser Kampf gegen die Mücken ist mein persönlicher Nah-Ost-Konflikt und dieser dauert nun schon seit meiner Ankunft in Israel an. Bisher musste ich nach zahlreichen Schlägen in die Luft und auf mich selbst erschöpft aufgeben. Ich habe quasi in Anti-Mückenspray geduscht, aber auch dieses Unterfangen war nicht wirklich von Erfolg gekrönt, da ich mich natürlich nicht die ganze Zeit mit Anti-Mückenspray eindieseln konnte. Nach nächtelanger Tyrannei und Schlaflosigkeit, habe ich jedoch schließlich doch zu chemischen Waffen gegriffen und mir ein kleines Gerät gekauft, welches man in die Steckdose steckt und dann angeblich die Mücken vertreiben soll, da es einen Geruch gegen Mücken im Raum verteilt. Bisher hat das auch ganz gut geklappt und ich konnte erste Erfolge im Form von Schlaf verbuchen. Jedoch muss ich mich bald um neue Munition kümmern, da mein Vorrat an Geruchbehältern begrenzt ist. Aber nun genug von der Schlafzimmerfront und zurück zu meiner Arbeit.
Es ist gerade Olivenzeit und wir waren vor kurzem mit allen Kindergartengruppen Oliven pflücken und picknicken (das erste mal Mandarinen vom Baum gegessen). Ich finde es stark mit wie viel Mühe sich die Lehrerinnen und Erzieherinnen um die Kinder und uns kümmern. Noch immer treffen wir auf unglaubliche Gastfreundlichkeit und lauter kleine Nettigkeiten. Wir wurden sogar zu einem Kindergeburtstag von dem Kind einer Lehrerin eingeladen. Wir Freiwilligen aus Deutschland kamen natürlich viel zu früh, denn was wir nicht beachtet hatten war, falls eine arabische Familie um sieben zum essen einlädt, wollen sie eigentlich dass man frühestens um acht auftaucht. Es ist erst recht kein Problem, wenn man noch später kommt. Wir haben dies allerdings nicht bedacht und standen Punkt Sieben auf der Matte. Uns war das zwar etwas unangenehm, aber die Gastgeber haben nur gelacht und sich gefreut über ein paar mehr helfende Hände. Als dann alles fertig und angerichtet war, bog sich der Tisch schon förmlich unter der Last des vielen Essens. Es sah so aus als versuchte man den ganzen Knesset zu verköstigen. Als dann die Gäste nach und nach eintrafen, wurde es ein lustiger Abend aus lauten und lustigen Gesprächen, vielen Späßen und einer ganzen Menge zu Essen, so dass wir später völlig vollgestopft und glücklich nach Hause rollten. Ich war am Ende wirklich kaum noch im Stande zu laufen. Soviel zu meiner "Arbeit" und ein paar Ereignissen in Shefa' Amr. Es ist nicht Alles, aber ich denke das Wichtigste.

Was vielleicht noch zu erwähnen wäre ist, das ich mich zurzeit in einem wirklichen Konflikt befinde. Aber um das zu erklären, muss ich etwas weiter ausholen. Also wie die meisten schon wissen, wohnt hier im Garten ein Straßenhund, der von meiner Gastfamilie gefüttert wird. Ich habe sie Bambi getauft, als ich hier her kam und mittlerweile reagiert sie schon sehr gut auf ihren Namen, weil sie nun von allen so gerufen wird. Sie bekommt in letzter Zeit des öfteren Herrenbesuch und ich habe sie und einen anderen Hund aus der Nachbarschaft neulich in einer höchst verfänglichen Postion ertappt. Viele Streuner sind hier nun unterwegs und Farid, dessen Herz für Hunde abnormal groß ist, ist hin und her gerissen. Auf der einen Seite weiß ich, dass ich diese Hunde nicht an mich gewöhnen darf, da sie wild sind und wenn sie sich an mich gewöhnen, sind sie in acht Monaten bloß total irritiert. Ich versuche Abstand zu halten, aber ich ertappe mich immer wieder dabei wie ich anfange ihnen Namen zu geben, mit ihnen zu spielen und sie an mich zu gewöhnen. Als ich das festgestellt habe, habe ich meiner Gastmutter geraten, Bambi in ein Tierheim in Tel Aviv zu bringen noch bevor sie schwanger wird und wenn sie es schon ist, dann erst recht. Ich glaube nicht, dass hier ein guter Ort für Welpen ist, denn schon ausgewachsene Hunde haben es hier schwer genug. In Tel Aviv ist das sicher anders. Diese Stadt kann sich den Tierschutz leisten und ich denke daher, dass zumindest Bambi dort hin sollte. Auch wenn mich das sehr traurig macht, da sie uns hier sehr viel Freude bereitet.
Naja, wir werden sehen wie es sich entwickelt.
Voraussichtlich fahre ich morgen oder übermorgen ans Tote Meer. Davon handelt dann wahrscheinlich der nächste Post.
Bis dahin vielen Dank für alle, die die Geduld haben jedesmal alles zu lesen und zur Belohnung wie immer ein paar Fotos.


  So eine schöne Torte sieht man selten. Da schlagen nicht nur Kinderherzen höher.

...und das war noch nicht alles 

beim Oliven pflücken


hier sogar ein kleines Video.

beim Picknick


                                                     

im Kindergarten in Shefa' Amr 

mein Kunstwerk im Bad des Kindergartens 






   



Mittwoch, 23. Oktober 2013

Reise nach Jerusalem

Es geht hier nicht um eine Polonaise, sondern um meinen ersten Ausflug in Israel.

Während meiner ersten Arbeitswoche bekam ich das Angebot mit anderen deutschen Freiwilligen, welche ich schon in Deutschland getroffen habe, nach Jerusalem zu fahren. Ich freute mich natürlich die anderen Freiwilligen, mit denen ich mich schon in Deutschland angefreundet habe, wieder zu sehen und wollte natürlich auch sofort anfangen das Land zu erkunden. Also haben Miriam (eine andere Freiwillige in Schefar'Amr) und ich beschlossen, gleich am Freitag nach der Arbeit nach Jerusalem zu fahren. Uns wurde sehr schnell klar wie ernst in Israel der Schabbat genommen wird. Wir dachten, da der Schabbat erst um sieben Uhr abends beginnt, haben wir noch locker Zeit, bis dahin nach Jerusalem zu kommen. Aber so lief das nicht. Am Freitag ab 13 Uhr beginnen die meisten jüdischen Geschäfte zu schließen. Es bleiben nur die arabischen und viele russische Läden, die sich nicht an den Schabbat halten, geöffnet. Ab diesem Zeitpunkt fahren auch immer weniger Busse und die Wartezeiten werden immer länger. Wir fuhren also nach Nazareth und von dort aus mussten wir schon ein Taxi bis zum Busbahnhof in Afula nehmen. Als wir in Afula waren fuhren nur noch sehr wenige Busse und erst recht keine mehr nach Jerusalem. Daher waren wir gezwungen, in die komplett andere Richtung, nämlich nach Tel Aviv, zu fahren. 
Der Bus nach Tel Aviv war sehr voll. Es gab nur noch sehr wenige Plätze und ich setzte mich neben eine junge Israelin mit einem kleinen Hund auf dem Schoß. Dies war der verheißungsvolle Tag, an dem ich lernte, dass das hebräische Wort für „spitz“, ebenfalls „spitz“ ist. Zu dieser Erkenntnis, kam ich, da ihr Hund Spitz hieß und ich sie nach der Bedeutung des Namens fragte. Danach unterhielten wir uns und sie erklärte mir viel über die Gegend durch die wir fuhren. Die Busfahrt ging so relativ schnell um.
Nachdem wir in Tel Aviv angekommen waren, fuhren wir mit einem Sammeltaxi nach Jerusalem.
Viele Israelis sagen, dass man nach Jerusalem geht, um zu beten und das stimmt wirklich. Die Stadt ist sehr gläubig und durch die vielen Religionen geprägt. Als wir abends ankamen, war die Stadt wirklich wie ausgestorben. Der Schabbat hat gerade bekommen und die einzigen Menschen die wir sahen, kamen gerade aus der Synagoge. Eine Begegnung hat mich allerdings sehr gefreut und erstaunt. Wir waren gerade auf der Suche nach unserem Hostel und wir wussten weit und breit nicht wen wir nach dem Weg fragen sollten, als wir auf einmal zwei andere Menschen sahen, die ebenfalls nicht aus Jerusalem zu sein schienen. Ich ging auf einen von ihnen zu und fragte ihn auf Englisch nach dem Weg. Er starrte mich nur an, dann begann er zu grinsen und sagte: „Wir kennen uns doch.“ Ich war verwirrt, da ich mich nicht an ihn erinnerte. Aber er beharrte darauf dass er mich kennt und sagte dann schließlich: „Du bist doch Farid! Du hast, wie ich, am Geschichtswettbewerb teilgenommen und du warst bei dem Seminar der Köber-Akademie dabei!“ Ich war baff und habe mich sehr gefreut, denn nachdem er das sagte, erinnerte ich mich wieder an ihn. Das war mein kleines Schabbatwunder, denn ich hätte nicht gedacht, dass ich ihn nochmal wiedersehe und erst recht nicht in Jerusalem. Es stellte sich raus, dass er und sein Freund auch Volontäre in Israel waren. Er konnte uns sogar sagen wo unser Hostel war.

Die Unterkunft befand sich im christlich-arabischen Viertel. Dort waren die Geschäfte noch geöffnet und alles ging seinen normalen Gang. Wir schliefen auf dem Dach des Hostels, da es billiger war und es mehr Platz gab. Zudem wollten wir die Stadt bei morgen sehen (wer mich kennt, weiß dass ich gefroren habe). Das Wiedersehen mit den anderen deutschen Volontären war sehr schön und wir alle haben uns übereinander gefreut.
Als ich am nächsten Tag aufwachte, erwartete mich ein unvergesslicher Blick über Jerusalem. Es war früh am Morgen, aber ich konnte schon jetzt das Leben aus den Straßen und Gassen dieser Stadt fühlen.
Wir haben uns an diesem Tag noch viel angesehen, unter anderem das Nationalmuseum Israel und das deutsche Viertel in Jerusalem, aber alles kann man natürlich nicht an einem Tag sehen, daher möchte ich unbedingt nochmal nach Jerusalem. Ich möchte mir auch beim nächsten Mal mehr Zeit nehmen um durch den Bazar im arabischen Viertel zu gehen. Überall sind aufregende Gerüche, kleine Läden an denen man am liebsten anhalten möchte, um hinein zu schauen. Überall sprechen einen die Menschen an, um dir etwas zu verkaufen oder einfach nur einen kleinen Smalltalk zu führen. Es war schade, dass wir nur zwei Tage da waren. Natürlich wurden die Klassiker, wie Klagemauer und jüdisches Viertel, nicht ausgelassen. Als ich wieder im Bus Richtung Schefa‘Amr saß, war ich noch voller Eindrücke von dieser aufregenden Stadt. Am liebsten wäre ich gleich wieder ausgestiegen und zurück fahren.

Ich bin schon gespannt auf das nächste Mal in Jerusalem.   
 Spitz hat irgendwann beschlossen, dass er meinen Platz beanspruchen will. Auf diesem Foto war nur sein Kopf auf meinem Bein. Fünf Minuten später saß er ganz auf meinem Schoß.

 Blick auf Old City vom Dach des Hostels

         Unser Nachtlager

Auf dem Dach des Hostels. Wir alle haben viel zu erzählen.

 Der Bazar im arabischen Viertel in Jerusalem

 In der Nähe der Klagemauer: Der Papagei ist das Haustier des Souvenirladen und begrüßt die Gäste

Vor der Klagemauer: 
Männer und Frauen dürfen nur getrennt an die Mauer und eine zu Kippa tragen ist Pflicht.

 Jaffa Gate. Der Eingang zum arabischen Viertel

 Besonders hier ist das Militär sehr stark präsent



Donnerstag, 17. Oktober 2013

Erster Tag in Schefa' Amr

Hier ist meine Fortsetzung zum ersten Post.
Ich wachte am ersten Tag auf und realisierte das erste mal dass ich nun endgültig für die nächsten 9 Monate ein komplett anderes Leben führen werde, als das was ich bisher lebte. Der Ort in dem ich die erste Nacht geschlafen habe hieß Kirijat Tiw'on. Er war eigentlich wie ein kleines europäisches Dorf. Das kommt daher, dass die Stadt zwischen 1933 und 1939 von vorwiegend deutschen Juden gegründet wurde, die aus Deutschland geflüchtet sind. Heute ist hier alles sehr sauber und ordentlich. Bis auf die Sprache, das Wetter und die Umgebung, sieht man tatsächlich keinen Unterschied zu einem Leben in Europa. Das hat mich sehr verwundert. Allerdings ist das in den meisten jüdischen Siedlungen der Fall. Ich frühstückte auf dem Balkon bei strahlend blauem Himmel, warmen 28 Grad und einem tollen Blick auf Haifa und das Meer. Nach dem Frühstück konnte ich es kaum erwarten endlich nach Schefa' Amr zu fahren.

Shefa' Amr ist keine 30 Kilometer von Kirijat Tiw'on entfernt und dennoch hat man das Gefühl man fährt in eine andere Welt, wenn man nach Schefa' Amr kommt. Die Straßen hier sind eher schlecht, alles ist leicht chaotisch und auch ist es längst nicht so sauber wie in einer Siedlung. Viele Araber sind sehr unzufrieden mit ihrer Situation und wenn man einige Ecken in Schefa' Amr sieht kann man das auch gut verstehen.
Ein Großteil der hier lebenden Bevölkerung sind arabische Christen. Es leben hier allerdings auch relativ viele Drusen, sunnitische Moslemin und Beduinen. Das zusammenleben dieser vier Gruppen ist wirklich sehr interessant und faszinierend. Wie überall gibt es zwar auch hier Konflikte zwischen den Gruppen, jedoch habe ich den Eindruck dass das Zusammenleben hier sehr gut funktioniert und dass die unterschiedlichen Gruppen sehr viel Toleranz füreinander haben. Das sieht man auch daran, dass es zwar christliche und muslimische Schulen gibt, jedoch sind die Schüler in diesen Schulen meistens gemischt. Ein Nachbar von mir, der auf eine griechisch katholische Schule geht, erzählte mir dass auf seiner Schule auch viele Moslemin sind und dass es eigentlich die Regel ist, dass die Schulen gemischt sind. Auch der Kindergarten, in dem ich arbeite ist gemischt.

An meinem ersten Arbeitstag wurde ich sowohl von den Kindern als auch von den Erzieherinnen unglaublich herzlich willkommen geheißen. Die Kinder stürmen sofort auf einen zu. Sie freuen sich unglaublich und begrüßen dich mit Geschrei und vielen Küssen. Die Erzieherinnen lachten mir entgegen und waren sofort bemüht es mir so recht wie möglich zu machen. Darüber musst ich sehr lachen, denn eigentlich war ich doch derjenige der arbeiten sollte. Trotzdem war mein erster Tag auch anstrengend. Meine erste Aufgabe war es, eine Frucht zu zerteilen, die aussah wie eine sehr große grüne Zitrone. Sie schmeckte auch ähnlich, sie war jedoch etwas süßer. Die Kinder sollten sie zum Frühstück bekommen und ich sollte sie verteilen. Das stellte sich jedoch als schwieriger als gedacht heraus und so wurde die Horde wartender Kinder mehr und mehr ungeduldiger. Chalit begann seine Freundin Rina schon mit Holzklötzen zu füttern. Rina fand das eine gute Idee und biss hineine. Als ich das sah wurde ich ebenfalls nervös. Diese unerwartete Verköstigung blieb glücklicherweise das einzige dramatische Ereignis an diesem Tag

Nachdem der erste Arbeitstag erfolgreich abgeschlossen war ging ich zu meiner Gastfamilie. Dort wurde auch mein Koffer endlich von EL AL hingeliefert. Jedoch nur ein Koffer. Mein Handgepäck blieb bei EL AL. Auch meine Gastfamilie empfing mich mit offenen Armen und war sehr freundlich. Die ganze Familie meiner Gastfamilie wohnt im gleichen Viertel. Sie sind Christen und ihrer Familie gehört schon seit Jahren ein Hügel auf dem sie noch heute Leben. Von ihren Haus hat man einen wahnsinnig schönen Blick auf ganz Schefa' Amr. Das Haus ist schön und sehr groß. Es ist zwar etwas unordentlich und nicht das sauberste aber wer mich kennt weiß dass ich mit Unordnung noch nie ein Problem hatte. Außerdem ist hier ein kleiner Hund in meiner Umgebung, der macht jede Unordnung nur noch halb so schlimm. Wie schon am Vortag viel ich auch diesen Tag wiedermal sehr erschöpf in mein Bett.
Das war mein erster Tag in Schefa' Amr. Im Gegensatz zum ersten Post ist der hier doch etwas unspektakulär aber mein Post zum Ausflug nach Jerusalem wird wieder etwas spannender. Wie gewohnt sind hier ein paar Fotos.
 Schefa' Amr
 Schon an meinem ersten Tag durfte ich mich künstlerisch austoben indem ich Wellen ins Bad der Kinder gemalt habe. Naja, Geschmäcker sind verschieden aber ich habe mich, glaube ich, ganz gut geschlagen.

 Ich liebe Kumquat. Dieser Strauch blieb nicht von mir verschont.

 der Kindergarten El Zeitun
  Schefa' Amr: Leider teilweise sehr dreckig aber ich persönlich mag so ein Chaos. Das war ebenfalls ein Grund warum ich mich für diesen Ort entschieden habe. Es ist kein Stück wie Deutschland.


Samstag, 12. Oktober 2013

Tohuwabohu

Shalom kulo!

Wie die Überschrift dieses Eintrages schon verrät, war meine Einreise ein echtes "Tohuwabohu". Es begann am Flughafen in Prag. Ich dachte, ich hätte den chaotischsten Teil hinter mir, als wir endlich das richtige Gate gefunden haben, aber dort ging das ganze Hin und Her erst richtig los. Zuerst wurde ich am Flughafen in Prag von Security-Leuten der El-Al (israelische Fluggesellschaft) empfangen. Bei El-Al ist es nicht unüblich, dass man schon beim Check-In gefragt wird, was man in Israel macht und wie lange man bleiben möchte. Normalerweise läuft das alles recht harmlos ab, aber in meinem Fall war das etwas anders: Araber und Menschen mit arabischen Wurzeln werden etwas genauer befragt, oft wird auch ihr Gepäck gründlich untersucht. Ich blieb davon leider nicht verschont und musste in einer zweistündigen Prozedur allerlei Fragen beantworten. Die meiste Zeit bestand allerdings daraus, dass ich in einem seltsamen Raum, der einer Abstellkammer ähnelte, warten durfte.
Naja, wenigstens war ich in netter Gesellschaft, denn ein junger Palästinenser musste ebenfalls warten und sich befragen lassen. Wir unterhielten uns nett und nahmen die Sache so weit wie möglich mit Humor.
Ich hatte schon Angst, dass ich meinen Flug wegen der ewigen Warterei und Befragung verpasse, denn ich hatte nur noch eine halbe Stunde Zeit bis mein Flugzeug Prag verlassen sollte. Doch dann ging auf einmal alles sehr schnell. Nachdem ich das Vergnügen hatte, mich in einem Nebenraum bis auf die Unterhose auszuziehen und mich mit erhobenen Händen nach Sprengstoff und Waffen untersuchen zu lassen, wurde ich von den Sicherheitsleuten der EL-AL direkt zum Flieger gebracht. Mein Gepäck wurde jedoch noch auseinander genommen und so wurde mir gesagt, dass es mit der nächsten Maschine kommen wird und ich es in Tel Aviv abholen kann. Als ich nun endlich im Flieger saß, hatte ich nichts außer meinem Pass, meinem Portemonnaie und einer Packung Kaugummis bei mir. Aber immerhin war ich nun endlich im Flieger in Richtung Israel.
In den 5 Stunden Flugzeit konnte ich kaum schlafen. Das lag nicht nur an meinem Sitznachbarn, der locker zwei Sitze gebraucht hätte, sondern auch daran, dass sich langsam das Gefühl von Aufregung, Freude und Ungewissheit in mir breit machte.
Nach einer gefühlten Ewigkeit blinkte endlich das Symbol über mir auf, welches die Fluggäste dazu aufforderte, sich anzuschnallen. Auch die Stimme des Piloten, die auf die baldige Ankunft in Tel Aviv aufmerksam machte, kam mir unheimlich erlösend vor. Meine Erschöpfung war von diesem Moment an weg und ich war wieder hell wach.

In Tel Aviv angekommen stand mir nun die nächste Hürde bevor, die ich meistern sollte. Denn auch dieses Mal wurde ich an der Passkontrolle glatt aussortiert und durfte mich erneut einer zweistündigen Prozedur aus Warten und Interview unterziehen. Als diese nun auch endlich ein Ende fand, kam ich völlig fertig und übermüdet zu dem Band, an dem angeblich meine Sachen auf mich warten sollten. Doch ich fand meinen Koffer nicht. Stattdessen lachten mir zwei freundliche Gesichter entgegen. Es waren Rani und Sanna. Ich hatte die beiden schon in Prag getroffen da sie, wie ich, länger warten mussten. Rani war der palästinensische Student den ich in der "Kammer des Schreckens" getroffen habe (wir haben den Raum, in dem wir durchsucht wurden, spöttisch so getauft). Sanna hingegen war eine Autorin aus Finnland, die in Israel lebt und dort hauptsächlich medizinische Bücher schreibt und übersetzt. Bald kam auch Frieda dazu. Sie wartete mit Sana schon in Prag zusammen und war eine Studentin aus Dresden. Ich war unendlich froh, nach dieser harten Nacht endlich ein paar freundliche und bekannte Gesichter zu sehen, dass ich anfing laut zu lachen. Es war inzwischen 5 Uhr morgens, ich kannte die drei gerademal 10 Stunden und dennoch hatten sie auf mich gewartet, sich Sorgen gemacht und mir sofort etwas zu Essen organisiert, als ich endlich ankam. Ich war von dieser Hilfsbereitschaft total erschlagen und überglücklich. Das war das erste Mal, an dem ich das wahre Gesicht Israels endlich kennen lernen durfte. Denn die Menschen sind hier eigentlich alle sehr freundlich und hilfsbereit. Wir warteten zusammen. Eine Stunde, zwei Stunden. Dann bekam nach und nach jeder von uns die Nachricht, dass ein Gepäckstück fehlte oder noch in Prag sei und dass unser Gepäck nachgesendet werden müsste. Bei mir waren dass leider beide Gepäckstücke. Ich bekam stattdessen von El-Al eine Art Waschtasche in der sich Zahnbürste, T-Shirt, Shampoo und noch allerlei Zeug befand, was man zum „Überleben“ brauchte. Diese Tasche war relativ klein und ich war erstaunt wie viele Sachen dort drin Platz hatten. Aber das nur nebenbei. Ich verabschiedete mich von meinen Flugbekanntschaften, stopfte meine Waschtasche in eine Plastiktüte aus einem Flughafenshop und spazierte einfach drauflos.

Ich musste zunächst in das Zentrum von Tel Aviv, um mich bei einer Kibutzstelle zu melden, die für mich das Volontärvisum organisiert hatte. Meine Müdigkeit kam langsam wieder zurück und deshalb wollte ich schnell mit einem Taxi ins Zentrum fahren. Also stieg ich in ein Taxi und fuhr los. Nach kurzer Zeit fiel mir allerdings auf, dass der Weg doch weiter ist, als ich gedacht habe und dass ein Taxi in Israel wirklich alles andere als billig ist. Aus Panik mein ganzes Geld schon zu verlieren, bevor ich überhaupt richtig angekommen war, ließ ich mich an der nächsten Bushaltestelle aus setzten. Da saß ich nun, die gnadenlose Sonne bei 29 Grad knallte auf mich, in meiner Hand eine Plastiktüte mit dem kläglichen Rest-Gepäck, der mir geblieben ist. Um mich herum standen ein paar Soldaten, die mich mit einem Blick aus Verwunderung, Mitleid und Belustigung musterten. Ich merkte wie mein Körper langsam schlapp machte und raffte mich daher noch einmal zusammen, um einen der Soldaten nach dem Weg ins Zentrum von Tel Aviv zu fragen.
Als der Bus endlich ankam und ich leicht unsicher mein Portemonnaie in die Hand nahm, während ich einstieg, lernte ich endlich die Seite Israels kennen, auf die ich mich gefreut hatte und wie ich mir jene vorgestellt hatte. Als ich zögerlich nach der Station fragte, an der ich aussteigen müsste, lachte der Busfahrer nur und machte mir mit einer Mischung aus gebrochenen Englisch und wilden Gesten deutlich, dass ich mich erst mal hinsetzten soll und er mir Bescheid sagen würde, wenn ich aussteigen soll. Als ich mein Portemonnaie zückte, um eine Fahrkarte zu kaufen, winkte er mit einem weiteren Lachen ab und fuhr los. Als sich ein Soldat und eine junge Israelin in mein Gespräch mit dem Busfahrer einmischten, waren beide sofort willig mir zu helfen. Schnell hatten beide ihre Handys in der Hand, um für mich einen passenden Weg zur Kibbutzstelle zu finden. Schließlich kam ich wohlbehalten an der Kibbutzstelle an. Den restlichen Tag war ich damit beschäftigt von einem Bus in den anderen zu steigen, um nach Kiryat Tivon (Kirjat Tiw'on) zu fahren, wo meine Ansprechpartnerin für meine Zeit in Israel wohnt. Auch hier wurde ich von ihr und ihrer Familie herzlich aufgenommen und willkommen geheißen. Als ich bei ihr war, war es bereits 13 Uhr und ich war seit 29 Stunden auf den Beinen. Total erschlagen und müde fiel ich in mein Bett und wachte erst abends wieder auf.

Das waren meine ersten Erlebnisse in Israel. Von heute betrachtet, war es schon ein Abenteuer. Ich werde bald über meine Arbeit, meine Gastfamilie und über meinen Besuch in Jerusalem schreiben. Aber das soll fürs Erste reichen.
Hier noch ein paar Bilder (Die Qualität ist schlecht, da ich sie mit meinem Handy gemacht habe. Meine Kamera war noch bei EL AL.):

 29 Stunden kein Auge zugemacht.
Das sah man mir am Ende schon an.

Im Hintergrund sieht man das Meer in Tel Aviv.
Ich war unglaublich glücklich, als ich das endlich gesehen habe.
Das Meer war auch ein Grund, weshalb ich nach Israel wollte.

Ben Gurion Flughafen.

Busstation in Tel Aviv