Nach meinem langen und erholsamen Urlaub wollte ich mal wieder einen neuen Teil Israels entdecken. In einem jüdischen Bus fuhr ich in die Siedlungen und die besetzten Gebiete in Hebron.
Eine Freundin von mir bekam das Angebot an einer Bustour durch die wichtigsten jüdischen Stätten in Hebron und seiner Umgebung teilzunehmen. Sie fragte mich ob ich Lust hätte mitzukommen und ich war erstmal etwas überrascht. Ich hatte bisher keine Berührungspunkte mit Siedlern und ehrlich gesagt, wollte ich diese auch gar nicht. Allerdings war ich schon interessiert an jüdischer Kultur und eine Chance auf einen derartigen Einblick hätte ich auch nicht ein zweites Mal bekommen. Am Ende war der ausschlaggebende Punkt für meine Zusage doch meine Neugier auf eine andere Seite Israels und eines Konfliktes. Von dieser Seite hatte ich bisher nur gelesen oder gehört. Meine Gefühle für Siedler und Siedlungen reichten auf einer Skalar von Angst und Wut bis hin zu Ohnmacht und Faszination.
Nun setzte ich mich in einen Bus voller streng jüdischer Touristen und fahre in die umstrittenste Siedlung Palästinas. Mit dem Namen Farid Galal. Wahrscheinlich bin ich der erste und letzte Farid, der jemals so einen Bus von Innen gesehen hat.
die Mauer aus dem Bus. Auf dem Weg zum Grab von Rachel- direkt neben Bethlehem
Warnschild an palästinensischen Straßen
Unser erster Stop war das Grab von Rachel. Es liegt direkt neben der Mauer an Bethlehem. Dort ist seit 1700 Jahren das Grabmal der Stammmutter Rachel. Als ich in das Grab eintrat fühlte ich mich sehr unpassend und fremd. Ich schlich verunsichert zwischen lauter streng religiösen Menschen herum und hatte große Angst etwas falsch zu machen. Natürlich war ich nicht das erste mal in einem jüdischen Umfeld, so dass ich nicht völlig planlos war- mein unwohles Gefühl blieb aber. Als mich schließlich ein orthodoxer Jude auf Jiddisch ansprach, da er mitbekam dass ich aus Deutschland war, wurde mir die ganze Sache doch zu unheimlich und ich suchte schleunigst den Ausgang. Ein amerikanisch jüdischer Tourist aus unserem Bus traf mich draußen und bemerkte wohl meine Verunsicherung. Er sprach mich an, kam mit mir ins Gespräch und fragte mich schließlich ob ich nochmal mit ihm zusammen in das Grab gehen möchte. Er war bereits zum zweiten mal an diesem Ort und wollte mir ein paar Besonderheiten zeigen. Mit meinem neu gewonnen Beistand ging ich nun nochmals in die Grabstätte. Ich war so glücklich dass ich nun mit jemandem unterwegs war der wirklich Ahnung hatte und mir Anleitung gab.
Auch der Rest der Tour war sehr interessant. Ich habe nicht noch einmal so einen tiefen Einblick in jüdische Kultur bekommen. Es war sehr spannend und interessant.
Der politische Aspekt der Tour hat mir jedoch nicht sehr gefallen. Es wurde immer wieder sehr abwertend und spöttisch über Araber geredet. Araber aus Hebron wurden zum Beispiel leider als steinewerfenden Terroristen bezeichnet. Man sprach auch über friedliche Araber, jedoch beschrieb unser Guide diese als unpolitische Olivenbauern, die nichts mit dem Konflikt im Nahen Osten zutun haben wollen. So denken traurigerweise sehr viele Siedler.
Ich bereue es auf keinen Fall an dieser Tour teilgenommen zu haben. Wenn man sich ein Bild über eine Situation machen will ist es am wichtigsten jeder Stimme eine Chance und einen Platz zu geben. Dieser Grundsatz ist existenziell für jede Problemlösung. Leider wird er gerade hier viel zu wenig geachtet. Ich hoffe es werden viele den gleichen Schritt wagen wie ich und endlich beginnen sich ernsthaft und fair mit seinem Gegenüber auseinanderzusetzten.
Da ich in den letzten 3 Monaten nicht geschrieben habe und doch einiges passiert ist, habe ich beschlossen die letzten Ereignissen in kleinen Episoden zusammenzufassen.
Noch einmal Besuch im April
Kurz nach meinem Geburtstag bekam ich das letzte Mal in meinen neun Monaten in Israel Besuch. Im April hatte ich einen Monat lang Osterferien. Ich habe mich sehr auf diese freie Zeit gefreut denn meine Freundin (Linda) und ein alter Schulfreund (Chris) kamen mich für diese Zeit besuchen. Ich bereitete mich auf einen langen und erholsamen Strandurlaub vor.
Der Urlaub begann allerdings mit einer nervösen nächtlichen Busfahrt. Linda kam leider nicht nur Mitten in der Nacht an, sondern flog auch noch mit EL AL. Wer meinen Blog schon vorher ab und zu gelesen hat, weiß, dass mein Verhältnis zu EL Al etwas angespannt ist, daher war ich sehr nervös und in Sorge.
Zum Glück ging alles mehr oder weniger gut und Linda kam heil hier an. Nach einer Woche folgte dann auch Chris.
Ich glaube nicht, dass es nötig ist hier noch mehr über unseren Urlaub zu schreiben. Wir verbrachten einige Tage in Haifa, Tel Aviv und Jerusalem. Ich habe das Strandurlaubsgefühl sehr genossen und konnte in dieser Zeit komplett entspannen.
Dieser Eintrag ist von Anfang des Monats- nicht wundern.
Wieder geht ein Monat zu Ende. Am Anfang sagte man uns Freiwilligen eure Zeit wird wie im Flug vergehen und eh ihr euch verseht seit ihr schon wieder in Deutschland. Ich hielt das für maßlos übertrieben. Wie soll sich das Zeitgefühl denn auf einmal so rapide ändern? In der Schulzeit kam mir schon eine Doppelstunde Mathe wie ein Auslandsjahr vor. Und jetzt sollen neun Monate auf einmal wie im Flug vergehen. Aber immer öfter ertapp ich mich, wie ich fassungslos auf das Datum schaue und mich frage wo denn die letzten 4 Monate geblieben sind. Zugegeben, der Kulturschock im Matheunterricht, den ich jede Stunde aufs neue erlitt, war um einiges schlimmer als der in Shfaram/ Israel aber wie rasant die Zeit vergeht ist trotzdem erstaunlich.
Ende Februar, am 21., habe ich es nun endlich geschafft. Ich bin das erste mal nach Palästina und in die besetzten Gebiete gefahren. Schon seitdem ich hier bin war ich unglaublich gespannt auf diesen Besuch und nun hatte ich endlich Gelegenheit dazu. Wir nahmen uns dafür zwei Tage frei und fuhren Donnerstag Nachmittag los Richtung Jerusalem. Ich war die ganze Zeit aufgeregt. Ich konnte im Bus etwas schlafen, so dass ich hellwach und ausgeschlafen in Jerusalem ankam. Ich war froh, dass ich mich im voraus informiert habe wo der arabische Busbahnhof ist, denn ohne eine ungefähre Ahnung hätte ich ihn niemals gefunden. Der Busbahnhof ist in einer kleinen Straße hinter der Altstadt Jerusalems versteckt. Man geht um die Ecke und zack, stehen da auf einmal viele kleine Busse auf einem kleinen Platz, die alle in Richtung Palästina fahren. Sie haben absolut keine Ähnlichkeit mit den israelischen Eggedbussen. Sie sind klein, nicht besonders modern und unauffällig. Auf der Straße hätte ich sie kaum erkannt aber nun saß ich in einem von ihnen und fuhr durch einen Teil von Jerusalem den ich noch nie gesehen habe. Schon im Bus hatte ich sofort das Gefühl in Palästina angekommen zu sein. Wir fuhren durch die arabischen Teile Jerusalems. Dann an der ganz Palästina umfassenden Mauer entlang. Wir passierten einen Checkpoint an dem eine riesige Schlange Autos wartete die alle nach Israel zurück wollten und kontrolliert wurden. Und schließlich waren wir schon in Ramallah. Mir kam es so vor als wären wir nur kurz durch eine riesige Wolke aus Chaos, Staub, Autos und arabischen Läden gefahren, um dann nahtlos in Ramallah zu landen.
Wir kamen in Ramallah an und wieder war es einer dieser Momente, in denen ich dachte ich bin in einer anderen Welt. Wie kann es sein dass dieser Ort keine 25 km von Jerusalem entfernt ist? Nirgendwo sah man mehr auch nur ein Wort in hebräischer Schrift. Es war schon spät aber schon auf der Hinfahrt nach Ramallah fiel mir auf, dass Ramallah und seine Umgebung keine Ruhe kennt. Die Checkpoints vor Jerusalem waren noch voll, auf dem Platz im Centrum tummelten sich noch zahlreiche hupende Autos und auf den Gehwegen waren die Händler noch auf den Straßen. Rund um den Platz wehten Palästinafahnen und Fahnen der DFLP (dschabhat al- dimuqratiya li-tahir falastin, demokratischen Front zur Befreiung Palästinas). Die DFLP ist eine marxistische Partei, die Mitglied der PLO ist. Als wir (meine Mitfreiwillige Miriam und ich) auf einen Freund warteten, der uns abholen wollte und uns zum Hostel führen sollte, genoss ich jede Minute des Wartens.
Schließlich wurden wir abgeholt und stießen im Hostel auf unsere anderen Freunde, die ebenfalls Freiwillige in Israel sind. Das Hostel, war eines der schönsten, die ich bisher in Israel gesehen habe. Und das obwohl Palästina unter Touristen nicht gerade den besten Ruf hat. Am nächsten Morgen unterhielten wir uns noch einige Zeit mit den zwei Brüdern, denen dass Hostel gehörte, organisierten einen Schlafplatz in Nablus und brachen auch schon auf. Wir verbrachten noch den ganzen restlichen Vormittag in Ramallah. Es ist eine wunderbare Stadt und ich hoffe ich werde nochmal hier hin fahren.
Am Nachmittag nahmen wir uns dann ein Taxi nach Nablus. Der Weg durch Palästina war aufregend und einschüchternd. Wir fuhren an Siedlungen vorbei, die mit ihren hohen Sicherheitszäunen und ihren Gebäuden wie Festungen aussahen, die dort aus dem Boden gestampft wurden. Es war ein Freitag und da an diesem Wochentag stehts Demonstrationen sind, fuhren wir auch an Palästinensern vorbei, die mit Steinschleudern vor den Siedlungen standen. Auf der anderen Seite standen stark bewaffnete Soldaten und Militärfahrzeuge. Ein ungleiches und schockierendes Bild. Man hört zurzeit nur noch sehr wenig von diesem Konflikt, in den deutschen Medien, aber ist man erstmal hier sieht man, dass sich kaum etwas geändert hat.
Schließlich kamen wir in Nablus an.
Auf dem Weg zum Hostel hielt ein Krankenwagen neben uns. Ein Fenster öffnete sich und ein junger etwas müde aussehender Mann winkt uns von der anderen Straßenseite heran. Er sagte uns dass er der Besitzer des Hostels sei und uns schon erwartet hat. Es war Glück dass er uns zufällig sah, denn das Hostel, was übrigens das einzige in der Stadt ist, war wie immer ganz schön versteckt und alleine hätten wir uns sicher verirrt. Der Mann hieß Samar, war Arzt und engagierte sich zudem noch für ein Projekt welches sich "the voice of kids" nennt. Das Projekt sollten wir am nächsten Morgen noch besser kennen lernen.
Als wir am nächsten Morgen aufstanden, bot uns Samar eine kleine gratis Stadtführung an. Wir sagten natürlich nicht nein und schon ging es los. Als erstes zeigte er uns das Projekt "the voice of kids". Ein Projekt welches zum Verein Human Supporters gehörte. Der Verein gründetes sich während der zweiten Intifada und angegiert sich für soziale Gerechtigkeit in Palästina und Jugend-, Kinder- und Frauenhilfe. Das Projekt "voice of kids" beschäftigt sich mit Jugendlichen und Kindern aus der Altstadt in Nablus. Die Menschen in der Altstadt sind sehr arm und schwer traumatisiert von der Invasion Israels. Das Projekt bietet nun psychologische und zukunftsorientierte Hilfe für Jugendliche und Kinder aus Nablus an. Es bietet Kulturveranstaltungen, Freizeitgestaltungen, Nachhilfeunterricht und Sprachkurse, psychologische Hilfe, Anti-Aggressionstraining und vieles mehr für junge Palästinenser an. Die Arbeit dieser Menschen hat mich zutiefst beeindruckt. Es ist ein kleiner Hoffnungsschimmer in einer sehr von Hass und Feindschaft gezeichneten Stadt. Nach dem kurzen Besuch ging es dann durch die Altstadt. Mir vielen Sofort die vielen Plakate und Schriften an der Wand auf. Sie zeigten Märtyrer, Terroristen und Zivilisten die im Kampf gegen Israel gestorben sind. Man erklärte uns wie schwierig die Lage während der zweiten Intifada in Nablus war. Überall waren noch Spuren der Kämpfe und des Leides der Menschen zu sehen.
Aber der Krieg ist nur eine Seite von Nablus. Denn trotz alledem hat Nablus eine wunderbare historische Altstadt, die voller alter arabischer Kultur und Leben ist. Zum Glück bekam wir auch diese Seite zu sehen. Samar nahm uns mit zu einem Gewürzhändler, der in dem hinteren Teil seines Ladens einen Raum voller alter osmanischer und beduinischer Gegenstände hatte. Diese sammelte er um die Kultur der Araber zu bewahren und die Gegenstände zu schützen. Es handelte sich dabei meist um sehr alte, einfache und schöne Sachen wie beduinischen Teegeschirr, alten arabischen Kaffeemühlen, kunstvoll bestickten orientalischen Hüten (Tarbusch). Zu vielen dieser Sachen wurde uns eine Geschichte erzählt und uns deren Wert und Gebrauch in früherer Zeit erklärt. Und so weiß ich heute wie man sich früher beim Kaffee mit Beduinen benommen hat, wer zu osmanischer Zeit alles einen Tarbusch getragen hat und wie man seine Stimmung durch das Mahlen von Kaffeebohnen zum Ausdruck bringt. Außerdem konnten wir in Nablus zusehen wie die traditionelle palästinensische Süßigkeit Kanafe, ein mit Sirup gesüßter Käse, hergestellt wurde. Danach wurde natürlich viel probiert und mitgenommen. Nablus ist trotz aller Zerstörung eine wunderschöne und interessante Stadt.
Am Mittag machten wir uns dann auf den Weg nach Jenin.
Wieder ging es durch Dörfer, vorbei an Siedlungen, entlang an Mauern und Zäunen bis wir schließlich in Jenin ankamen.
Unser Ziel in Jenin war ein Theater welches sich direkt im Flüchtlingslager befindet. Das Flüchtlingslager in Jenin ist eigentlich kein richtiges Flüchtlingslager mehr. Die Grenze zur Stadt ist fließend, in ihm stehen normale Häuser und Läden und die Menschen sind meistens etablierte Teile der Gesellschaft. Wenn man nicht weiß, dass dieser Teil der Stadt ein Flüchtlingscamp ist, würde man es wahrscheinlich nur für ein sehr armes Viertel der Stadt halten. Trotzdem bestehen die Einwohner des Lagers auf die Bezeichnung "Refugeecamp". Das Lager entstand 1953 während des arabisch- israelischen Krieges für vertriebene Palästinenser aus Israel. Zurzeit leben etwa 12.000 Flüchtlinge in dem Lager. Sie sind alle Nachkommen von ehemaligen Flüchtlingen, die mit ihren Familien schon seit Generationen in dem Lager leben. Aus diesem Grund bestehen die Einwohner auf den Namen. Es ist nicht ihre Heimat- sie sind Vertriebene aus Israel. Aber nun zurück zum Thaeter. Das Freedomtheater wurde während der ersten Intifada von Arna Mer gegründet um traumatisierten Jugendlichen im Flüchtlingslager Hilfe und neue Perspektiven zu geben. Außerdem wollte sie Jugendliche von der Straße holen um zu verhindern dass sie sich radikal islamischen Organisationen anschließen und als Märtyrer sterben. Als Tourist wird man im Freedomtheater herzlich willkommen geheißen. Der Direktor des Theaters führte uns über die Bühnen und durch das ganze Theater, er erklärte uns die Situation und die Entstehungszeit des Theaters und anschließend nahm er und ein paar andere Schauspieler sich die Zeit mit uns zu reden. Am späten Nachmittag verließ ich Jenin und Palästina mit sehr gemischten Gefühlen. Einerseits ist es natürlich erschreckend und schwer einem Krieg so nah zu sein, dennoch ist es schön und bewundernswert so viele Menschen zu treffen, die trotzdem die Hoffnung auf Frieden und Freiheit nicht aufgeben.
Die Zeit in Palästina war sehr bereichernd und wichtig für mich.
Auf unserem Rückweg mussten nun auch wir durch einen Checkpoint. Da der Checkpoint für Fußgänger schon geschlossen war, trampten wir und fuhren durch den Autocheckpoint. Im Auto wurde ich sehr nervös. Meine schlechte Erfahrung mit israelischen Sicherheitskräften hat mich inzwischen in solchen Momenten etwas übervorsichtig und angespannt gemacht. Unser Auto und wir wurden zwar komplett durchsucht aber ansonsten passierte nichts. Wahrscheinlich wurden wir herausgenommen, weil in unseren Auto 3 verschieden Arten von Pässen vorhanden waren (israelisch, deutsch und australisch). Das kam den Kontrolleuren wahrscheinlich irgendwie spanisch vor. Schließlich kamen wir endlich wieder in Shfaram an aber viel Zeit um die gesammelten Erlebnisse zu verdauen gab es nicht.
Schon ein paar Tage später kam das Zwischenseminar für alle deutschen Freiwilligen auf uns zu. Es tat sehr gut all die vertrauten Gesichter wiederzusehen, Erfahrungen auszutauschen, sich nützliche Ratschläge zu holen und diese auch zu verteilen und einfach mit anderen Leuten reden, die ähnliches erlebt und durch ähnliches geprägt wurden wie man selbst. Ich glaube dass mir das in Deutschland sehr fehlen wird. Denn ich weiß wann immer ich mit anderen Leuten über Israel sprechen werde, sie werden mich nicht auf diese Weise nachvollziehen können, wie die Menschen die ebenfalls eine Zeit hier gelebt haben.
Das war mein Bericht für Februar. Ich hoffe es folgt bald der nächste. Leider habe ich dieses Mal kaum Fotos. Hier aber zwei Bilder meinen Mitfreiwilligen in Israel, mit denen ich diese wunderbare Zeit hier teilen darf. Darunter sind auch noch drei kleine Videos von dem Freedomtheater in Jenin.
Nun habe ich den ganzen Januar nichts geschrieben. Dafür wird
dieser Post, wie gewöhnlich, sehr lang - schonmal Gratulation an alle die bis
zum Schluss durchhalten.
Am 23. Dezember 2013 hatten wir unseren letzten Arbeitstag. Noch
nie wurde ich auf so komische Weise in Weihnachtsstimmung versetzt. 15 Grad,
der Himmel eher grau und die Bäume grün. Die ganze Vorweihnachtszeit zog an mir
vorbei und wurde von mir kaum wahr genommen. Bis zum 22. Dezember. Ich kam von
einem schönen Wochenende aus Tel Aviv zurück, als ich überall Kirchenglocken
hörte. Ich wunderte mich schon und dachte kurz dass ich im falschen Ort
ausgestiegen wäre. Ich erkannte aber sofort Shfer‘- Amr. Im nächsten Moment
hörte ich überall laut hupende Autos, sie fuhren an mir vorbei und in ihnen
saßen lauter Weihnachtsmänner, die aus dem Fenster riefen und Glocken aus dem
Fenster schwangen. Ja, es war so skurril wie es sich anhört und ich, erschöpft
und müde von der Busfahrt, stand an der Haltestell und schaute irritiert auf
das Geschehen. Aber ich habe schnell Gefallen an diesem Ritual gefunden, so
dass ich das erste Mal in diesem Jahr richtig auf Weihnachten freute. Wie schon
gesagt, musste ich auch am 23. Eine Lehrerin verkleidete sich als
Weihnachtsmann, die Kinder sangen und riefen „frohe Weihnachten“ und es wurden
Süßigkeiten verteilt. Christen, Musleminen und Drusen, alle freuten sich auf
Weihnachten. Weihnachten hat für Christen natürlich eine tiefe Bedeutung,
allerdings spielte diese nicht die größte Rolle. Die größte Rolle spielt die
Freude der Kinder auf Geschenke und eine schöne Zeit voller Schokolade, Sahlab
(süßes, arabisches Weihnachtsgetränk) und vielen anderen Süßigkeiten. Das
klingt wahrscheinlich sehr oberflächig, allerdings ist es schön dass alle
Religionen gemeinsam feiern und sich auf Weihnachten freuen.
Auch in meiner Gastfamilie wurde Weihnachten gefeiert. Am 24. wurde
gegrillt (es war sehr warm für diese Jahreszeit) und wir aßen gemeinsam. Zudem
liefen rauf und runter arabische Weihnachtslieder im CD-Player. Am 25. kam dann
die ganze Familie und nochmal wurde ausgiebig zusammen gegessen (ich habe bis
jetzt noch kein arabisches Fest miterlebt bei dem ich am Ende nicht das Gefühl
hatte dass ich platze!). Ich habe mich dieses Mal allerdings vorbereitet. Bis
zu Beginn des Weihnachtsessens, habe ich nichts gegessen sondern die ganze Zeit
nur mein Zimmer aufgeräumt und beim Putzen und Kochen geholfen. Als es dann los
ging konnte ich es kaum noch erwarten und aß so viel, dass die Schwester meines
Gastvaters lachend meinen arabischen Appetit lobte. Punkten konnte ich auch
beim anschließenden 7-gewinnt-Spiel nach dem Essen und bei Backgamon
(Schischbisch).
Die restlichen Tage zogen an mir vorbei. Ich erwartete voller
Aufregung und Spannung die Ankunft von zwei Freunden aus Dresden. Ich habe mit
Jack bis jetzt fast jedes Silvester gemeinsam gefeiert und diese Tradition
wollten wir nicht aufgeben nur weil ich mal eben 5500 km entfernt bin. Also
beschlossen er und seine Schwester Eli, mich zu besuchen. Ich freute mich sehr
über ihren Besuch, ich hatte nicht nur ein Stück Dresden in Israel sondern auch
noch die Gelegenheit mal wieder eine richtige „Touritour“ zu machen. Natürlich
ging es zuerst nach Jerusalem. Es war schon mein drittes Mal in dieser
faszinierenden Stadt. Jedes Mal gibt es neues zu entdecken und ich hatte die
Gelegenheit endlich den Felsendom und Yod Vashem zu erleben. Yod Vashem, die
Holocaustgedenkstädte, war sehr erschütternd. Diese Thematik ist gerade in
Deutschland und Israel sehr präsent und unumgänglich, deshalb habe ich mir für
die Ausstellung und die Denkmale besonders viel Zeit genommen.
Unsere Unterkunft in Jerusalem war wirklich sehr
gewöhnungsbedürftig. Ich hatte nicht daran gedacht, dass Jerusalem um die
Weihnachtszeit fast ausgebucht ist und daher nichts reserviert. Auch die
anderen haben nicht damit gerechnet und so versuchte ich am Tag der Anreise
noch etwas zu organisieren. Als ich endlich ein Hostel in der Nähe der Altstadt
fand, welches für Jerusalem sogar noch recht günstig war, rief ich sofort an.
Am Telefon wollte ich dann reservieren und mich nach dem Preis erkundigen. Der
Besitzer sprach ein sehr gebrochenes Englisch und wimmelte mich schließlich mit
folgenden Worten ab: „Come to our house. We find a good
place for you and we make a good price.” Besonders der letzte Teil des Satz ließ mich allerdings
hartnäckiger werden. We make a good price, heißt in Israel so viel wie, „lass
mich in Ruhe und komm einfach her“. Ich bestand also darauf dass er mir einen
Preis nannte und dass ich sofort reservieren kann. Schließlich nannte er mir
den Preis (100 Schekel pro Nacht) und versicherte mir, dass Betten da seien
werden wenn wir kommen. Wir kamen also am späten Abend im Hostel an und wie
erwartet war die Zusage auf Betten doch nicht so sicher, wie es am Telefon
klang. Unser Quartier war am Ende ein Dachboden mit vier Matratzen, einer
offenen Tür und einer lahmgelegten Baustelle davor. Wir waren sprachlos, denn
zudem war das „Zimmer“ auch noch unsauber und die Hauskatze huschte gerade vom
Sofa als wir den Raum betraten. Jedoch trauten wir uns nicht zu verhandeln, da
wir wussten dass ganz Jerusalem ausgebucht war. Uns blieb nichts anderes übrig,
als für diese Nacht das Beste aus unserer Situation zu machen. Das Sofa schoben
wir als Türersatz vor den Raum, in der Hoffnung dass wir unser Quartier nicht
mit den Katzen der Umgebung teilen müssen. Dann machten wir einen langen
Spaziergang durch die Altstadt um auf andere Gedanken zu kommen. Ich persönlich,
habe in dieser Nacht als unerwartet gut in Erinnerung, was wahrscheinlich daran
liegt, dass ich schon sehr viel unbequemere Nächte in Israel verbracht habe
(ich erinnere an dieser Stelle an den Kampf mit den Mücken im Oktober oder an
die Nacht als ich am Steinstrand des Toten Meeres geschlafen habe). Jedoch
blieb eine unangenehme Situation in dieser Nacht doch nicht aus, denn in der
Nacht weckte mich ein seltsames Kratzen auf meinem Bein. Als ich aufwachte musste
ich feststellen, dass meine Befürchtung nicht ganz unbegründet war. Das Kratzen
stammte von den Krallen der Hauskatze, die meinen Schlafsack wahrscheinlich
ähnlich kuschlig und gemütlich wie ich fand. Als ich aufwachte wollte sie es
sich gerade auf mir bequem machen. Ich bin zwar ein großer Tierfreund und war
auch etwas gerührt von dem Vertrauen der Katze zu mir, jedoch beschloss ich
trotzdem aus hygienischen Gründen und aus Respekt den anderen gegenüber, sie zu
vertreiben. Am nächsten Morgen erzählte ich zwar dass uns eine Katze besuchte,
ich verschwieg allerdings den Ort an dem ich sie gefunden habe um bei den
anderen keinen noch größeren Ekel auszulösen. Die nächsten zwei Tage bekamen
wir dann auch Betten in einem Sammelzimmer und unser Schlaf wurde nur noch durch
laut schnarchende Touristen gestört (mir war die Katze lieber, die war
wenigstens leise).
Silvester feierten wir in Tel Aviv. Auch hier bekamen wir keinen
Hostelplatz mehr und so gönnten wir uns den Luxus eine Nacht in einem Hotel zu
schlafen. Wir alle genossen den Luxus den ein Hotelzimmer bietet in vollen
Zügen. Wir freuten uns unheimlich über ein sauberes und EIGENES Badezimmer,
über saubere und frischbezogene Betten und über einen großen TV in jedem
Doppelzimmer, der sogar deutsches Programm hatte. Es ist merkwürdig so etwas zu
schreiben aber ich habe wirklich schon lange keine Nacht mehr im Hotel
verbracht. Silvester wurde dann in Tel Aviv gefeiert.
Die nächsten Tage verbrachten wir in Afula, Beth Shean und zum
Schluss waren wir noch ein paar Tage in Akko.
Meine Weihnachtferien waren unglaublich schön und erholsam. Es ist
ja mein erstes mal dass ich für so lange Zeit so weit von meiner Heimat
entfernt bin und so hat es sehr gut getan mal wieder ein paar vertraute
Gesichter zu sehen. Als Eli und Jack dann wieder zurückflogen, konnte ich mich
wieder richtig auf meine Arbeit in Shfer Amr
freuen.
Jetzt gibt es wie gewöhnlich noch ein paar Fotos
von unserer Reise.
Wieder ein Monat um. Die Zeit vergeht so verdammt schnell wenn man viel zutun hat und jeden Tag etwas neues entdeckt.
Inzwischen hat die Weihnachtszeit begonnen. Ich komme nicht so richtig in Weihnachtsstimmung aber überraschenderweise ist mir das gar nicht so wichtig. Ich habe inzwischen meine Gastfamilie gewechselt und habe jetzt endlich meinen eigenen Raum und kann nach zwei Monaten nun endlich vollständig ankommen. Auch meine neue Gastfamilie ist unglaublich herzlich und nett. Sie geben sich sehr viel Mühe um uns und ich fühle mich sehr wohl. Sicher fühle ich mich auch, denn mein Raum ist ein "Saferoom", den fast alle neuen israelischen Häuser haben. Im Falle eines Angriffes ist man in solchen Räumen sicher und geschützt (hoffentlich wird dieser Raum auch weiterhin nur als Gästezimmer genutzt). Meine neue Gastfamilie ist, genau wie die andere, arabisch christlich. Ich habe in meinem Leben noch nie so oft Schisch Bisch (Backgammon), Schach und Mühle gespielt, wie in den letzten Tagen. Solche Brettspiele mit der Gastfamilie machen nicht nur Spaß, sondern sorgen auch für etwas weihnachtliche und heimische Atmosphäre. Der Weihnachtsbaum aus Plastik, die einarmige Santafigur, die pausenlos Jinglebells dudelt und die ansonsten für deutsche Verhältnisse etwas kitschig wirkende Weihnachtsdekoration, waren dagegen eher weniger stimmungsvoll. Alles in Allem bin ich zurzeit sehr zufrieden.
Am Anfang des Monats haben wir, wie die Überschrift vielleicht schon verrät, in Beit Uri (nahe Afula) Thanksgiving gefeiert. Traditionell israelisch eben... Nein, eine Freiwillige hier hat US- amerikanische Wurzeln und sich gewünscht auch dieses Jahr zu feiern. Zwar nicht mit ihrer Familie, aber dafür mit uns anderen Freiwilligen. Für mich war das alles sehr spannend und ich habe nicht nur das Wiedersehen, sondern auch die Atmosphäre sehr genossen. Auf dem Rückweg von Afula nach Nazareth haben wir wieder eine sehr nette Bekanntschaft mit einem Araber gemacht, der mal eben eine halbe Stunde Umweg in kauf genommen hat um uns direkt bis nach Schfar'- Amr und bis vor unsere Haustür zu fahren.
Es haben sicher schon die meisten von euch gehört, aber der Winter ist dieses Jahr in Israel, Ägypten und dem Libanon besonders hart eingeschlagen. In Jerusalem liegt bereits Schnee. Die Nachrichten sind voll mit Bildern von Menschen, die Schneemänner bauen und den Winter genießen und von Katastrophen die das Leben der Menschen, in den betroffenen Gebieten, sehr schwer machen. Diese "katastrophalen" Bilder aus Jerusalem haben mich jedoch etwas schmunzeln lassen, da die Menge an Schnee, verglichen mit den Mengen in Nordeuropa, doch recht überschaubar sind. Man muss allerdings fairerweise sagen, dass ein Land wie Israel auf so einen Winter wirklich nicht vorbereitet ist.
Ich werde bald wieder mehr schreiben aber das soll nun erstmal reichen.
Ich war vor zwei Wochen wieder einmal unterwegs. Diesmal ging es ans Tote Meer. Davon werde ich hier berichten.
Wir haben uns diesmal vorausschauend für Freitag frei genommen, so dass wir nicht wieder am Shabbat reisen mussten.
Als wir von Jerusalem aus durch die Westbank fuhren, hatte ich das erste Mal den Konflikt vor Augen der in Israel so präsent ist. Wir fuhren über eine israelische Straße mitten durch palästinensisches Gebiet. Der Bus fuhr auch durch eine Siedlung in der Nähe von Jericho. Dort wurde mir bewusst, was für Welten selbst hier,zwischen den Siedlungen und den arabischen Städten liegen. Während rund um die Siedlungen trockene und gnadenlose Wüste vorherrscht, sind die Siedlung aufgrund der guten Bewässerung grün und sehr idyllisch. Es sind kleine, streng bewachte Paradiese hinter Sicherheitszäunen. Die Wüste ist zwar auch wunderschön und sehr beeindruckend, jedoch war dieser Unterschied für mich so bizarr, dass ich die Wüste nur teilweise genießen konnte.
Unser Platz am Toten Meer war sehr abgeschieden. Das hatte Vorteile aber auch einige Nachteile. Ein großer Vorteil war, dass weit und breit kaum Touristen zu sehen waren. Die einzigen Menschen, die wir trafen, waren Leute die vorwiegend am Toten Meer wohnten. Sie suchten die große Freiheit und haben beschlossen ein halbes Jahr am Toten Meer zu campen und im Sommer weiter zu ziehen. Mir kamen sie vor wie Dauercamper. Nur eben ohne Wohnmobil, spießige Gartenzwerge und um ein vielfaches freundlicher und offener als die Dauercamper die man auf so manchem deutschen Zeltplatz antrifft.
Diese Gesellschaft war mir persönlich viel lieber als die üblichen Touristen, die man überall findet. Ein Nachteil war, dass in dieser Gegend viele Diebe unterwegs sind. Daher mussten wir verschärft ein Auge auf unser Hab und Gut werfen. Es ist unglaublich, dieses Land ist so klein und dennoch ist es so vielseitig wie kaum ein anderes Land. Das Tote Meer ist auch wieder ein Ort der mich total fasziniert hat. Der Stand ist voller Steine und mit den Felsen rings herum sieht es manchmal so aus als befände man sich auf einem anderen Planeten. Ich glaube diese Location wäre der perfekte Drehort für eine Folge Star Trek gewesen.
Man sieht nur wenige Pflanzen, die dem Wassermangel und dem extrem salzigen Boden standhalten können. Im Meer dann zu schwimmen ist so ziemlich eine der lustigsten Sachen die ich bisher gemacht habe. Es macht einfach unheimlich viel Spaß und man kommt nicht drum rum sich wie ein Kind aufzuführen sobald man feststellt, dass man in diesem Wasser tatsächlich nicht untergehen kann.
Rund um das Tote Meer gibt es viele Süßwasserquellen. Wir konnten also später problemlos das Salz und den Schlamm von uns waschen. Die Nacht wollten wir am Strand unter freiem Himmel verbringen. Die Vorstellung war schön und wir freuten uns so wenig Geld auszugeben. Jedoch bereiteten uns die Mücken, Fliegen und der unglaublich harte und unebene Boden eine unvergessliche Nacht. Die meisten von uns wachten völlig zerstochen und verkrampft auf. Selbst ich, der wie immer sehr viel Mückenspray aufgetragen hat, wurde nicht verschont. Wir machten uns am nächsten Tag dennoch auf in den En Gedi Nationalpark. Da der Weg allerdings sehr lang war beschlossen uns in kleine Grüppchen aufzuteilen und zu trampen. Das funktioniert in Israel noch ganz gut. Als halbstarker 18 jähriger Kerl sollte man aber darauf achten mindestens mit einer weiblichen Person zu trampen. Zum Glück waren wir nur 3 Kerle so konnten wir uns so verteilen, dass in jeder Gruppe nicht mehr als eine männliche Person ist.
Der En Gedi Nationalpark war wunderschön. Eine Oase mitten in der Wüste. Mit Wasserfällen, Pflanzen und Tieren. Es war wie in einem Dschungel, nur ohne Mücken und Luftfeuchtigkeit. Die Tierwelt die uns hier geboten wurde war zwar überschaubar, aber die ein oder andere Überraschung gab es schon. Neben Steinböcken und Krähen, gab es auch ein Tier was ich noch nie zuvor gesehen habe. Es heißt Schliefer (auf hebräisch Hyrac), sieht aus wie ein fettes Murmeltier und sein nächster Verwandter ist ein großes graues Tier, welches normalerweise in der afrikanischen Savanne wohnt. Wer weiß es? Es fängt mit E an und hört mit lefant auf.
Am Abend mussten wir wieder trampen um in die nächst größere Stadt zu gelangen. Wir wurden von einem netten israelischen Studenten mitgenommen, der uns bis Tel Aviv mitnahm. Die Gespräche die man hier mit den Einheimischen führt sind immer wieder unglaublich interessant. Er war Israeli der in einer Siedlung in der Westbank lebt. Was mich immer wieder etwas verärgert und traurig macht ist, dass man immer wieder auf leichte Angst vor Arabern trifft und manchmal auch auf richtige Abneigung. Beim trampen wurde uns gesagt wir sollen nicht zu Arabern einsteigen, auf die könne man sich nicht verlassen. Das ist schwachsinnig und eigentlich echt rassistisch. Das eine junge Frau nicht alleine zu fremden Männern ins Auto steigen sollte ist klar. Aber das sollte sie in keinem Land egal ob Israel, Deutschland oder Bukina Faso. Das hat nichts mit der Ethnie eines Menschen zu tun sondern mit der Tatsache, dass sich Frauen in einer bedrohlichen Lage schlechter währen können, da sie in der Regel physisch schwächer sind. Solche Aussage, dass man also nicht zu Arabern ins Auto steigen sollte ist daher ein bloßes Zeichen für Angst. Angst vor Menschen die man nicht kennt, die anders sind als man selbst und mit denen man am liebsten nichts zu tun haben will. Dieses Problem kennt man ja auch zu Genüge aus Deutschland. Noch am selben Abend machte ich eine ganz andere Erfahrung.
Durch das Trampen fuhren wir sehr umständlich und lange bis nach Afula zurück. Von dort wollten Miriam und ich nach Nazareth und von dort nach Schefa'- Amr. Es war schon sehr spät und wir sehr müde. Wir stiegen in einen Bus von dem wir annahmen, dass er uns nach Nazareth bringen würde. Das tat er nicht. Stattdessen fuhr er in einen Vorort der Nazareth Illit hieß. Wir waren todmüde und realisiert erst dass wir falsch waren, als der Busfahrer verwirrt nach hinten schaute und uns fragte wo wir denn eigentlich hin wollten. Als wir Nazareth sagten, schaute er uns verständnislos an und fing sofort an sich wild mit dem letzten Fahrgast zu unterhalten, der außer uns noch im Bus saß. Sie unterhielten sich auf Arabisch. Es wurde sehr schnell klar, dass kein Bus mehr nach Nazareth oder Schefa'- Amr fuhr. Als wir ausgestiegen sind waren wir schon drauf und dran bis nach Nazareth zu laufen, um von da aus zu versuchen zu trampen. Uns war klar dass um diese Uhrzeit wohl kaum jemand noch nach Schefa'- Amr fährt. Wir machten uns schon auf eine sehr lange und extrem anstrengende Nacht gefasst, als uns der junge Mann, der außer uns noch im Bus war, auf und zu kam und uns ansprach. Er fragte wo wir denn hin wollen und ob er uns helfen könnte. Wir erklärten unsere Lage und fragten ihn in welche Richtung den Nazareth liegt. Er antwortete nicht sondern sagte nur: " Es ist zu spät um noch nach Schefa' Amr zu fahren. Kommt lieber mit in mein Haus, übernachtet dort und morgen früh könnt ihr von dort aus mit dem Bus fahren." Wir zögerten und wollten uns eigentlich nicht dermaßen aufdrängen, vor allem weil wir den jungen Mann nicht kannten. Bevor wir antworten konnten fanden wir uns schon zusammen mit seinem Bruder in einem Auto wieder und waren geradewegs auf dem Weg zu ihm nach hause. Es war für uns unfassbar.
Wir fuhren durch kleine arabische Ortschaften bis wir uns auf einmal an einem Ort wieder fanden, der sich Kafr Kanna nannte. In der Bibel ist er als Kanaa bekannt und er soll der Ort sein an dem Jesus auf einer Hochzeit Wasser zu Wein machte. Wir worden unglaublich freundlich mit Tee, Brot und kleinen Speisen empfangen. Ich wiederhole: es war 23 Uhr und wir waren wildfremde Leute für diese Familie. Die Familie bei der wir Zuflucht fanden war sehr religiös und lebte in einem einfachen aber schönen Haus. Obwohl sie selber in schlichten und einfachen Verhältnissen lebten, bemühten sie sich dass wir uns so wohl wie möglich fühlten. Das gelang ihnen auch und wir hatten ein wirklich schlechtes Gewissen, dass wir ohne eine Gegenleistung so umsorgt wurden. Die Mutter der Familie erzählte viel von ihren fünf Söhnen und dass sie in ihrem Haus schon oft Volontäre oder Gäste aus Europa hatte. Sie freute sich wunderlicher Weise sehr über unseren nächtlichen Besuch und machte gleich klar dass wir jeder Zeit wieder herzlich willkommen sind. Wir waren immer noch geschockt wie plötzlich das alles passierte. Nach einem ausgiebigen schönen Essen gingen wir schlafen. Am nächsten Morgen tranken wir noch Tee, bedankten uns vielmals und gingen zum Bus. Auf dem Weg nach hause waren wir noch ganz erfüllt von so viel Gastfreundlichkeit. Und das passierte ausgerechnet an dem Tag, an dem uns ein anderer Mensch noch davor gewarnt hat zu Arabern ins Auto zu steigen.
Und hier ist der Post auch schon zu Ende. Es kommt zwar etwas abrupt aber mehr gibt es zu an dieser Stelle nicht zu sagen. Wie immer Ende ich noch mit ein paar Bildern.
Am Toten Meer ( der Rest erklärt sich von selbst)
Ich glaube mein Gesicht verrät, dass ich die Idee mit dem Schlamm am Ende nicht mehr so gut fand.
die Unbequemste Nacht in Israel (bis jetzt) aber es war trotzdem aufregend und ich würde es wahrscheinlich immer wieder tuen
in Ein Gedi Nationalpark
Auf dem Weg nach Ein Gedi
der Schliefer
in Kafr Kanna
klein aber sehr schön
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unser Quartier in Kafr Kanna
Ach übrigens. Es gibt sicher einige die sich fragen, ob ich überhaupt noch arbeite :) . Ja, ich arbeite noch im Kindergarten, mir macht es immer noch sehr viel Spaß und ich denke das wird auch die restliche Zeit so bleiben.
Nun ist schon über ein Monat vergangen, seitdem ich hier bin. Obwohl in letzter Zeit nicht so viel spannendes passiert ist, denke ich, dass es trotzdem etwas zu erzählen gibt und das möchte ich natürlich niemandem vorenthalten. Nur wo fange ich an?
Ich denke, da der Großteil meines Tages von meiner Arbeit bestimmt ist, sollte ich auch mit ihr beginnen und etwas darüber berichten.
Natürlich macht mir meine Arbeit immer noch sehr viel Spaß und ich bin dankbar über jede Erfahrung, die ich hier sammeln darf. Aber es ist schon manchmal etwas anstrengend, besonders wenn man 8 Stunden arbeiten muss und in jeder Nacht zuvor wieder in den bitteren Kampf gegen die Mücken im Zimmer ziehen musste. Dieser Kampf gegen die Mücken ist mein persönlicher Nah-Ost-Konflikt und dieser dauert nun schon seit meiner Ankunft in Israel an. Bisher musste ich nach zahlreichen Schlägen in die Luft und auf mich selbst erschöpft aufgeben. Ich habe quasi in Anti-Mückenspray geduscht, aber auch dieses Unterfangen war nicht wirklich von Erfolg gekrönt, da ich mich natürlich nicht die ganze Zeit mit Anti-Mückenspray eindieseln konnte. Nach nächtelanger Tyrannei und Schlaflosigkeit, habe ich jedoch schließlich doch zu chemischen Waffen gegriffen und mir ein kleines Gerät gekauft, welches man in die Steckdose steckt und dann angeblich die Mücken vertreiben soll, da es einen Geruch gegen Mücken im Raum verteilt. Bisher hat das auch ganz gut geklappt und ich konnte erste Erfolge im Form von Schlaf verbuchen. Jedoch muss ich mich bald um neue Munition kümmern, da mein Vorrat an Geruchbehältern begrenzt ist. Aber nun genug von der Schlafzimmerfront und zurück zu meiner Arbeit.
Es ist gerade Olivenzeit und wir waren vor kurzem mit allen Kindergartengruppen Oliven pflücken und picknicken (das erste mal Mandarinen vom Baum gegessen). Ich finde es stark mit wie viel Mühe sich die Lehrerinnen und Erzieherinnen um die Kinder und uns kümmern. Noch immer treffen wir auf unglaubliche Gastfreundlichkeit und lauter kleine Nettigkeiten. Wir wurden sogar zu einem Kindergeburtstag von dem Kind einer Lehrerin eingeladen. Wir Freiwilligen aus Deutschland kamen natürlich viel zu früh, denn was wir nicht beachtet hatten war, falls eine arabische Familie um sieben zum essen einlädt, wollen sie eigentlich dass man frühestens um acht auftaucht. Es ist erst recht kein Problem, wenn man noch später kommt. Wir haben dies allerdings nicht bedacht und standen Punkt Sieben auf der Matte. Uns war das zwar etwas unangenehm, aber die Gastgeber haben nur gelacht und sich gefreut über ein paar mehr helfende Hände. Als dann alles fertig und angerichtet war, bog sich der Tisch schon förmlich unter der Last des vielen Essens. Es sah so aus als versuchte man den ganzen Knesset zu verköstigen. Als dann die Gäste nach und nach eintrafen, wurde es ein lustiger Abend aus lauten und lustigen Gesprächen, vielen Späßen und einer ganzen Menge zu Essen, so dass wir später völlig vollgestopft und glücklich nach Hause rollten. Ich war am Ende wirklich kaum noch im Stande zu laufen. Soviel zu meiner "Arbeit" und ein paar Ereignissen in Shefa' Amr. Es ist nicht Alles, aber ich denke das Wichtigste.
Was vielleicht noch zu erwähnen wäre ist, das ich mich zurzeit in einem wirklichen Konflikt befinde. Aber um das zu erklären, muss ich etwas weiter ausholen. Also wie die meisten schon wissen, wohnt hier im Garten ein Straßenhund, der von meiner Gastfamilie gefüttert wird. Ich habe sie Bambi getauft, als ich hier her kam und mittlerweile reagiert sie schon sehr gut auf ihren Namen, weil sie nun von allen so gerufen wird. Sie bekommt in letzter Zeit des öfteren Herrenbesuch und ich habe sie und einen anderen Hund aus der Nachbarschaft neulich in einer höchst verfänglichen Postion ertappt. Viele Streuner sind hier nun unterwegs und Farid, dessen Herz für Hunde abnormal groß ist, ist hin und her gerissen. Auf der einen Seite weiß ich, dass ich diese Hunde nicht an mich gewöhnen darf, da sie wild sind und wenn sie sich an mich gewöhnen, sind sie in acht Monaten bloß total irritiert. Ich versuche Abstand zu halten, aber ich ertappe mich immer wieder dabei wie ich anfange ihnen Namen zu geben, mit ihnen zu spielen und sie an mich zu gewöhnen. Als ich das festgestellt habe, habe ich meiner Gastmutter geraten, Bambi in ein Tierheim in Tel Aviv zu bringen noch bevor sie schwanger wird und wenn sie es schon ist, dann erst recht. Ich glaube nicht, dass hier ein guter Ort für Welpen ist, denn schon ausgewachsene Hunde haben es hier schwer genug. In Tel Aviv ist das sicher anders. Diese Stadt kann sich den Tierschutz leisten und ich denke daher, dass zumindest Bambi dort hin sollte. Auch wenn mich das sehr traurig macht, da sie uns hier sehr viel Freude bereitet.
Naja, wir werden sehen wie es sich entwickelt.
Voraussichtlich fahre ich morgen oder übermorgen ans Tote Meer. Davon handelt dann wahrscheinlich der nächste Post.
Bis dahin vielen Dank für alle, die die Geduld haben jedesmal alles zu lesen und zur Belohnung wie immer ein paar Fotos.
So eine schöne Torte sieht man selten. Da schlagen nicht nur Kinderherzen höher.