Es geht hier nicht um eine Polonaise, sondern um meinen ersten
Ausflug in Israel.
Während meiner ersten Arbeitswoche bekam
ich das Angebot mit anderen deutschen Freiwilligen, welche ich schon in
Deutschland getroffen habe, nach Jerusalem zu fahren. Ich freute mich natürlich
die anderen Freiwilligen, mit denen ich mich schon in Deutschland angefreundet habe, wieder zu sehen und wollte natürlich auch sofort anfangen das Land zu
erkunden. Also haben Miriam (eine andere Freiwillige in Schefar'Amr) und ich
beschlossen, gleich am Freitag nach der Arbeit nach Jerusalem zu fahren. Uns
wurde sehr schnell klar wie ernst in Israel der Schabbat genommen wird. Wir
dachten, da der Schabbat erst um sieben Uhr abends beginnt, haben wir noch locker
Zeit, bis dahin nach Jerusalem zu kommen. Aber so lief das nicht. Am Freitag ab
13 Uhr beginnen die meisten jüdischen Geschäfte zu schließen. Es bleiben nur die
arabischen und viele russische Läden, die sich nicht an den Schabbat
halten, geöffnet. Ab diesem Zeitpunkt fahren auch immer weniger Busse und die Wartezeiten
werden immer länger. Wir fuhren also nach Nazareth und von dort aus mussten wir
schon ein Taxi bis zum Busbahnhof in Afula nehmen. Als wir in Afula waren
fuhren nur noch sehr wenige Busse und erst recht keine mehr nach Jerusalem.
Daher waren wir gezwungen, in die komplett andere Richtung, nämlich nach Tel
Aviv, zu fahren.
Der Bus nach Tel Aviv war sehr voll. Es gab nur noch sehr wenige
Plätze und ich setzte mich neben eine junge Israelin mit einem kleinen Hund auf
dem Schoß. Dies war der verheißungsvolle Tag, an dem ich lernte, dass das
hebräische Wort für „spitz“, ebenfalls „spitz“ ist. Zu dieser Erkenntnis, kam
ich, da ihr Hund Spitz hieß und ich sie nach der Bedeutung des Namens fragte.
Danach unterhielten wir uns und sie erklärte mir viel über die Gegend durch die
wir fuhren. Die Busfahrt ging so relativ schnell um.
Nachdem wir in Tel Aviv angekommen waren, fuhren wir mit einem
Sammeltaxi nach Jerusalem.
Viele Israelis sagen, dass man nach Jerusalem geht, um zu beten und
das stimmt wirklich. Die Stadt ist sehr gläubig und durch die vielen Religionen
geprägt. Als wir abends ankamen, war die Stadt wirklich wie ausgestorben. Der
Schabbat hat gerade bekommen und die einzigen Menschen die wir sahen, kamen
gerade aus der Synagoge. Eine Begegnung hat mich allerdings sehr gefreut und
erstaunt. Wir waren gerade auf der Suche nach unserem Hostel und wir wussten
weit und breit nicht wen wir nach dem Weg fragen sollten, als wir auf einmal
zwei andere Menschen sahen, die ebenfalls nicht aus Jerusalem zu sein schienen.
Ich ging auf einen von ihnen zu und fragte ihn auf Englisch nach dem Weg. Er starrte mich nur an, dann begann er zu grinsen und sagte: „Wir kennen uns doch.“
Ich war verwirrt, da ich mich nicht an ihn erinnerte. Aber er beharrte darauf
dass er mich kennt und sagte dann schließlich: „Du bist doch Farid! Du hast,
wie ich, am Geschichtswettbewerb teilgenommen und du warst bei dem Seminar der
Köber-Akademie dabei!“ Ich war baff und habe mich sehr gefreut, denn nachdem
er das sagte, erinnerte ich mich wieder an ihn. Das war mein kleines
Schabbatwunder, denn ich hätte nicht gedacht, dass ich ihn nochmal wiedersehe
und erst recht nicht in Jerusalem. Es stellte sich raus, dass er und sein Freund
auch Volontäre in Israel waren. Er konnte uns sogar sagen wo unser Hostel war.
Die Unterkunft befand sich im christlich-arabischen Viertel. Dort
waren die Geschäfte noch geöffnet und alles ging seinen normalen Gang. Wir
schliefen auf dem Dach des Hostels, da es billiger war und es mehr Platz gab.
Zudem wollten wir die Stadt bei morgen sehen (wer mich kennt, weiß dass ich gefroren
habe). Das Wiedersehen mit den anderen deutschen Volontären war sehr schön und
wir alle haben uns übereinander gefreut.
Als ich am nächsten Tag aufwachte, erwartete mich ein unvergesslicher
Blick über Jerusalem. Es war früh am Morgen, aber ich konnte schon jetzt das
Leben aus den Straßen und Gassen dieser Stadt fühlen.
Wir haben uns an diesem Tag noch viel angesehen, unter anderem das
Nationalmuseum Israel und das deutsche Viertel in Jerusalem, aber alles kann
man natürlich nicht an einem Tag sehen, daher möchte ich unbedingt nochmal nach
Jerusalem. Ich möchte mir auch beim nächsten Mal mehr Zeit nehmen um durch den
Bazar im arabischen Viertel zu gehen. Überall sind aufregende Gerüche, kleine
Läden an denen man am liebsten anhalten möchte, um hinein zu schauen. Überall sprechen
einen die Menschen an, um dir etwas zu verkaufen oder einfach nur einen kleinen
Smalltalk zu führen. Es war schade, dass wir nur zwei Tage da waren. Natürlich wurden die Klassiker, wie Klagemauer und jüdisches Viertel, nicht ausgelassen. Als ich wieder im Bus Richtung Schefa‘Amr saß, war ich noch voller Eindrücke
von dieser aufregenden Stadt. Am liebsten wäre ich gleich wieder ausgestiegen und zurück fahren.
Ich bin schon gespannt auf das nächste Mal in Jerusalem.
Spitz hat irgendwann beschlossen, dass er meinen Platz beanspruchen will. Auf diesem Foto war nur sein Kopf auf meinem Bein. Fünf Minuten später saß er ganz auf meinem Schoß.
Blick auf Old City vom Dach des Hostels
Unser Nachtlager
Auf dem Dach des Hostels. Wir alle haben viel zu erzählen.
Der Bazar im arabischen Viertel in Jerusalem
In der Nähe der Klagemauer: Der Papagei ist das Haustier des Souvenirladen und begrüßt die Gäste
Vor der Klagemauer:
Männer und Frauen dürfen nur getrennt an die Mauer und eine zu Kippa tragen ist Pflicht.
Jaffa Gate. Der Eingang zum arabischen Viertel
Besonders hier ist das Militär sehr stark präsent





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