Sonntag, 24. November 2013

Am Toten Meer, Ein Gedi und Kafr Kanna


Ich war vor zwei Wochen wieder einmal unterwegs. Diesmal ging es ans Tote Meer. Davon werde ich hier berichten. 

Wir haben uns diesmal vorausschauend für Freitag frei genommen, so dass wir nicht wieder am Shabbat reisen mussten.
Als wir von Jerusalem aus durch die Westbank fuhren, hatte ich das erste Mal den Konflikt vor Augen der in Israel so präsent ist. Wir fuhren über eine israelische Straße mitten durch palästinensisches Gebiet. Der Bus fuhr auch durch eine Siedlung in der Nähe von Jericho. Dort wurde mir bewusst, was für Welten selbst hier,zwischen den Siedlungen und den arabischen Städten liegen. Während rund um die Siedlungen trockene und gnadenlose Wüste vorherrscht, sind die Siedlung aufgrund der guten Bewässerung grün und sehr idyllisch. Es sind kleine, streng bewachte Paradiese hinter Sicherheitszäunen. Die Wüste ist zwar auch wunderschön und sehr beeindruckend, jedoch war dieser Unterschied für mich so bizarr, dass ich die Wüste nur teilweise genießen konnte.

Unser Platz am Toten Meer war sehr abgeschieden. Das hatte Vorteile aber auch einige Nachteile. Ein großer Vorteil war, dass weit und breit kaum Touristen zu sehen waren. Die einzigen Menschen, die wir trafen, waren Leute die vorwiegend am Toten Meer wohnten. Sie suchten die große Freiheit und haben beschlossen ein halbes Jahr am Toten Meer zu campen und im Sommer weiter zu ziehen. Mir kamen sie vor wie Dauercamper. Nur eben ohne Wohnmobil, spießige Gartenzwerge und um ein vielfaches freundlicher und offener als die Dauercamper die man auf so manchem deutschen Zeltplatz antrifft.
Diese Gesellschaft war mir persönlich viel lieber als die üblichen Touristen, die man überall findet. Ein Nachteil war, dass in dieser Gegend viele Diebe unterwegs sind. Daher mussten wir verschärft ein Auge auf unser Hab und Gut werfen. Es ist unglaublich, dieses Land ist so klein und dennoch ist es so vielseitig wie kaum ein anderes Land. Das Tote Meer ist auch wieder ein Ort der mich total fasziniert hat. Der Stand ist voller Steine und mit den Felsen rings herum sieht es manchmal so aus als befände man sich auf einem anderen Planeten. Ich glaube diese Location wäre der perfekte Drehort für eine Folge Star Trek gewesen.
Man sieht nur wenige Pflanzen, die dem Wassermangel und dem extrem salzigen Boden standhalten können. Im Meer dann zu schwimmen ist so ziemlich eine der lustigsten Sachen die ich bisher gemacht habe. Es macht einfach unheimlich viel Spaß und man kommt nicht drum rum sich wie ein Kind aufzuführen sobald man feststellt, dass man in diesem Wasser tatsächlich nicht untergehen kann.
Rund um das Tote Meer gibt es viele Süßwasserquellen. Wir konnten also später problemlos das Salz und den Schlamm von uns waschen. Die Nacht wollten wir am Strand unter freiem Himmel verbringen. Die Vorstellung war schön und wir freuten uns so wenig Geld auszugeben. Jedoch bereiteten uns die Mücken, Fliegen und der unglaublich harte und unebene Boden eine unvergessliche Nacht. Die meisten von uns wachten völlig zerstochen und verkrampft auf. Selbst ich, der wie immer sehr viel Mückenspray aufgetragen hat, wurde nicht verschont. Wir machten uns am nächsten Tag dennoch auf in den En Gedi Nationalpark. Da der Weg allerdings sehr lang war beschlossen uns in kleine Grüppchen aufzuteilen und zu trampen. Das funktioniert in Israel noch ganz gut. Als halbstarker 18 jähriger Kerl sollte man aber darauf achten mindestens mit einer weiblichen Person zu trampen. Zum Glück waren wir nur 3 Kerle so konnten wir uns so verteilen, dass in jeder Gruppe nicht mehr als eine männliche Person ist.
Der En Gedi Nationalpark war wunderschön. Eine Oase mitten in der Wüste. Mit Wasserfällen, Pflanzen und Tieren. Es war wie in einem Dschungel, nur ohne Mücken und Luftfeuchtigkeit. Die Tierwelt die uns hier geboten wurde war zwar überschaubar, aber die ein oder andere Überraschung gab es schon. Neben Steinböcken und Krähen, gab es auch ein Tier was ich noch nie zuvor gesehen habe. Es heißt Schliefer (auf hebräisch Hyrac), sieht aus wie ein fettes Murmeltier und sein nächster Verwandter ist ein großes graues Tier, welches normalerweise in der afrikanischen Savanne wohnt. Wer weiß es? Es fängt mit E an und hört mit lefant auf.

Am Abend mussten wir wieder trampen um in die nächst größere Stadt zu gelangen. Wir wurden von einem netten israelischen Studenten mitgenommen, der uns bis Tel Aviv mitnahm. Die Gespräche die man hier mit den Einheimischen führt sind immer wieder unglaublich interessant. Er war Israeli der in einer Siedlung in der Westbank lebt. Was mich immer wieder etwas verärgert und traurig macht ist, dass man immer wieder auf leichte Angst vor Arabern trifft und manchmal auch auf richtige Abneigung. Beim trampen wurde uns gesagt wir sollen nicht zu Arabern einsteigen, auf die könne man sich nicht verlassen. Das ist schwachsinnig und eigentlich echt rassistisch. Das eine junge Frau nicht alleine zu fremden Männern ins Auto steigen sollte ist klar. Aber das sollte sie in keinem Land egal ob Israel, Deutschland oder Bukina Faso. Das hat nichts mit der Ethnie eines Menschen zu tun sondern mit der Tatsache, dass sich Frauen in einer bedrohlichen Lage schlechter währen können, da sie in der Regel physisch schwächer sind. Solche Aussage, dass man also nicht zu Arabern ins Auto steigen sollte ist daher ein bloßes Zeichen für Angst. Angst vor Menschen die man nicht kennt, die anders sind als man selbst und mit denen man am liebsten nichts zu tun haben will. Dieses Problem kennt man ja auch zu Genüge aus Deutschland. Noch am selben Abend machte ich eine ganz andere Erfahrung.

Durch das Trampen fuhren wir sehr umständlich und lange bis nach Afula zurück. Von dort wollten Miriam und ich nach Nazareth und von dort nach Schefa'- Amr. Es war schon sehr spät und wir sehr müde. Wir stiegen in einen Bus von dem wir annahmen, dass er uns nach Nazareth bringen würde. Das tat er nicht. Stattdessen fuhr er in einen Vorort der Nazareth Illit hieß. Wir waren todmüde und realisiert erst dass wir falsch waren, als der Busfahrer verwirrt nach hinten schaute und uns fragte wo wir denn eigentlich hin wollten. Als wir Nazareth sagten, schaute er uns verständnislos an und fing sofort an sich wild mit dem letzten Fahrgast zu unterhalten, der außer uns noch im Bus saß. Sie unterhielten sich auf Arabisch. Es wurde sehr schnell klar, dass kein Bus mehr nach Nazareth oder Schefa'- Amr fuhr. Als wir ausgestiegen sind waren wir schon drauf und dran bis nach Nazareth zu laufen, um von da aus zu versuchen zu trampen. Uns war klar dass um diese Uhrzeit wohl kaum jemand noch nach Schefa'- Amr fährt. Wir machten uns schon auf eine sehr lange und extrem anstrengende Nacht gefasst, als uns der junge Mann, der außer uns noch im Bus war, auf und zu kam und uns ansprach. Er fragte wo wir denn hin wollen und ob er uns helfen könnte. Wir erklärten unsere Lage und fragten ihn in welche Richtung den Nazareth liegt. Er antwortete nicht sondern sagte nur: " Es ist zu spät um noch nach Schefa' Amr zu fahren. Kommt lieber mit in mein Haus, übernachtet dort und morgen früh könnt ihr von dort aus mit dem Bus fahren." Wir zögerten und wollten uns eigentlich nicht dermaßen aufdrängen, vor allem weil wir den jungen Mann nicht kannten. Bevor wir antworten konnten fanden wir uns schon zusammen mit seinem Bruder in einem Auto wieder und waren geradewegs auf dem Weg zu ihm nach hause. Es war für uns unfassbar.

Wir fuhren durch kleine arabische Ortschaften bis wir uns auf einmal an einem Ort wieder fanden, der sich Kafr Kanna nannte. In der Bibel ist er als Kanaa bekannt und er soll der Ort sein an dem Jesus auf einer Hochzeit Wasser zu Wein machte. Wir worden unglaublich freundlich mit Tee, Brot und kleinen Speisen empfangen. Ich wiederhole: es war 23 Uhr und wir waren wildfremde Leute für diese Familie. Die Familie bei der wir Zuflucht fanden war sehr religiös und lebte in einem einfachen aber schönen Haus. Obwohl sie selber in schlichten und einfachen Verhältnissen lebten, bemühten sie sich dass wir uns so wohl wie möglich fühlten. Das gelang ihnen auch und wir hatten ein wirklich schlechtes Gewissen, dass wir ohne eine Gegenleistung so umsorgt wurden. Die Mutter der Familie erzählte viel von ihren fünf Söhnen und dass sie in ihrem Haus schon oft Volontäre oder Gäste aus Europa hatte. Sie freute sich wunderlicher Weise sehr über unseren nächtlichen Besuch und machte gleich klar dass wir jeder Zeit wieder herzlich willkommen sind. Wir waren immer noch geschockt wie plötzlich das alles passierte. Nach einem ausgiebigen schönen Essen gingen wir schlafen. Am nächsten Morgen tranken wir noch Tee, bedankten uns vielmals und gingen zum Bus. Auf dem Weg nach hause waren wir noch ganz erfüllt von so viel Gastfreundlichkeit. Und das passierte ausgerechnet an dem Tag, an dem uns ein anderer Mensch noch davor gewarnt hat zu Arabern ins Auto zu steigen.

Und hier ist der Post auch schon zu Ende. Es kommt zwar etwas abrupt aber mehr gibt es zu an dieser Stelle nicht zu sagen. Wie immer Ende ich noch mit ein paar Bildern.

 Am Toten Meer ( der Rest erklärt sich von selbst)


Ich glaube mein Gesicht verrät, dass ich die Idee mit dem Schlamm am Ende nicht mehr so gut fand. 



die Unbequemste Nacht in Israel (bis jetzt) aber es war trotzdem aufregend und ich würde es wahrscheinlich immer wieder tuen
in Ein Gedi Nationalpark

Auf dem Weg nach Ein Gedi
der Schliefer 










in Kafr Kanna

klein aber sehr schön
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unser Quartier  in Kafr Kanna

Ach übrigens. Es gibt sicher einige die sich fragen, ob ich überhaupt noch arbeite :) . Ja, ich arbeite noch im Kindergarten, mir macht es immer noch sehr viel Spaß und ich denke das wird auch die restliche Zeit so bleiben.




Mittwoch, 6. November 2013

Ein Monat

Nun ist schon über ein Monat vergangen, seitdem ich hier bin. Obwohl in letzter Zeit nicht so viel spannendes passiert ist, denke ich, dass es trotzdem etwas zu erzählen gibt und das möchte ich natürlich niemandem vorenthalten. Nur wo fange ich an?

Ich denke, da der Großteil meines Tages von meiner Arbeit bestimmt ist, sollte ich auch mit ihr beginnen und etwas darüber berichten.
Natürlich macht mir meine Arbeit immer noch sehr viel Spaß und ich bin dankbar über jede Erfahrung, die ich hier sammeln darf. Aber es ist schon manchmal etwas anstrengend, besonders wenn man 8 Stunden arbeiten muss und in jeder Nacht zuvor wieder in den bitteren Kampf gegen die Mücken im Zimmer ziehen musste. Dieser Kampf gegen die Mücken ist mein persönlicher Nah-Ost-Konflikt und dieser dauert nun schon seit meiner Ankunft in Israel an. Bisher musste ich nach zahlreichen Schlägen in die Luft und auf mich selbst erschöpft aufgeben. Ich habe quasi in Anti-Mückenspray geduscht, aber auch dieses Unterfangen war nicht wirklich von Erfolg gekrönt, da ich mich natürlich nicht die ganze Zeit mit Anti-Mückenspray eindieseln konnte. Nach nächtelanger Tyrannei und Schlaflosigkeit, habe ich jedoch schließlich doch zu chemischen Waffen gegriffen und mir ein kleines Gerät gekauft, welches man in die Steckdose steckt und dann angeblich die Mücken vertreiben soll, da es einen Geruch gegen Mücken im Raum verteilt. Bisher hat das auch ganz gut geklappt und ich konnte erste Erfolge im Form von Schlaf verbuchen. Jedoch muss ich mich bald um neue Munition kümmern, da mein Vorrat an Geruchbehältern begrenzt ist. Aber nun genug von der Schlafzimmerfront und zurück zu meiner Arbeit.
Es ist gerade Olivenzeit und wir waren vor kurzem mit allen Kindergartengruppen Oliven pflücken und picknicken (das erste mal Mandarinen vom Baum gegessen). Ich finde es stark mit wie viel Mühe sich die Lehrerinnen und Erzieherinnen um die Kinder und uns kümmern. Noch immer treffen wir auf unglaubliche Gastfreundlichkeit und lauter kleine Nettigkeiten. Wir wurden sogar zu einem Kindergeburtstag von dem Kind einer Lehrerin eingeladen. Wir Freiwilligen aus Deutschland kamen natürlich viel zu früh, denn was wir nicht beachtet hatten war, falls eine arabische Familie um sieben zum essen einlädt, wollen sie eigentlich dass man frühestens um acht auftaucht. Es ist erst recht kein Problem, wenn man noch später kommt. Wir haben dies allerdings nicht bedacht und standen Punkt Sieben auf der Matte. Uns war das zwar etwas unangenehm, aber die Gastgeber haben nur gelacht und sich gefreut über ein paar mehr helfende Hände. Als dann alles fertig und angerichtet war, bog sich der Tisch schon förmlich unter der Last des vielen Essens. Es sah so aus als versuchte man den ganzen Knesset zu verköstigen. Als dann die Gäste nach und nach eintrafen, wurde es ein lustiger Abend aus lauten und lustigen Gesprächen, vielen Späßen und einer ganzen Menge zu Essen, so dass wir später völlig vollgestopft und glücklich nach Hause rollten. Ich war am Ende wirklich kaum noch im Stande zu laufen. Soviel zu meiner "Arbeit" und ein paar Ereignissen in Shefa' Amr. Es ist nicht Alles, aber ich denke das Wichtigste.

Was vielleicht noch zu erwähnen wäre ist, das ich mich zurzeit in einem wirklichen Konflikt befinde. Aber um das zu erklären, muss ich etwas weiter ausholen. Also wie die meisten schon wissen, wohnt hier im Garten ein Straßenhund, der von meiner Gastfamilie gefüttert wird. Ich habe sie Bambi getauft, als ich hier her kam und mittlerweile reagiert sie schon sehr gut auf ihren Namen, weil sie nun von allen so gerufen wird. Sie bekommt in letzter Zeit des öfteren Herrenbesuch und ich habe sie und einen anderen Hund aus der Nachbarschaft neulich in einer höchst verfänglichen Postion ertappt. Viele Streuner sind hier nun unterwegs und Farid, dessen Herz für Hunde abnormal groß ist, ist hin und her gerissen. Auf der einen Seite weiß ich, dass ich diese Hunde nicht an mich gewöhnen darf, da sie wild sind und wenn sie sich an mich gewöhnen, sind sie in acht Monaten bloß total irritiert. Ich versuche Abstand zu halten, aber ich ertappe mich immer wieder dabei wie ich anfange ihnen Namen zu geben, mit ihnen zu spielen und sie an mich zu gewöhnen. Als ich das festgestellt habe, habe ich meiner Gastmutter geraten, Bambi in ein Tierheim in Tel Aviv zu bringen noch bevor sie schwanger wird und wenn sie es schon ist, dann erst recht. Ich glaube nicht, dass hier ein guter Ort für Welpen ist, denn schon ausgewachsene Hunde haben es hier schwer genug. In Tel Aviv ist das sicher anders. Diese Stadt kann sich den Tierschutz leisten und ich denke daher, dass zumindest Bambi dort hin sollte. Auch wenn mich das sehr traurig macht, da sie uns hier sehr viel Freude bereitet.
Naja, wir werden sehen wie es sich entwickelt.
Voraussichtlich fahre ich morgen oder übermorgen ans Tote Meer. Davon handelt dann wahrscheinlich der nächste Post.
Bis dahin vielen Dank für alle, die die Geduld haben jedesmal alles zu lesen und zur Belohnung wie immer ein paar Fotos.


  So eine schöne Torte sieht man selten. Da schlagen nicht nur Kinderherzen höher.

...und das war noch nicht alles 

beim Oliven pflücken


hier sogar ein kleines Video.

beim Picknick


                                                     

im Kindergarten in Shefa' Amr 

mein Kunstwerk im Bad des Kindergartens