Mittwoch, 23. Oktober 2013

Reise nach Jerusalem

Es geht hier nicht um eine Polonaise, sondern um meinen ersten Ausflug in Israel.

Während meiner ersten Arbeitswoche bekam ich das Angebot mit anderen deutschen Freiwilligen, welche ich schon in Deutschland getroffen habe, nach Jerusalem zu fahren. Ich freute mich natürlich die anderen Freiwilligen, mit denen ich mich schon in Deutschland angefreundet habe, wieder zu sehen und wollte natürlich auch sofort anfangen das Land zu erkunden. Also haben Miriam (eine andere Freiwillige in Schefar'Amr) und ich beschlossen, gleich am Freitag nach der Arbeit nach Jerusalem zu fahren. Uns wurde sehr schnell klar wie ernst in Israel der Schabbat genommen wird. Wir dachten, da der Schabbat erst um sieben Uhr abends beginnt, haben wir noch locker Zeit, bis dahin nach Jerusalem zu kommen. Aber so lief das nicht. Am Freitag ab 13 Uhr beginnen die meisten jüdischen Geschäfte zu schließen. Es bleiben nur die arabischen und viele russische Läden, die sich nicht an den Schabbat halten, geöffnet. Ab diesem Zeitpunkt fahren auch immer weniger Busse und die Wartezeiten werden immer länger. Wir fuhren also nach Nazareth und von dort aus mussten wir schon ein Taxi bis zum Busbahnhof in Afula nehmen. Als wir in Afula waren fuhren nur noch sehr wenige Busse und erst recht keine mehr nach Jerusalem. Daher waren wir gezwungen, in die komplett andere Richtung, nämlich nach Tel Aviv, zu fahren. 
Der Bus nach Tel Aviv war sehr voll. Es gab nur noch sehr wenige Plätze und ich setzte mich neben eine junge Israelin mit einem kleinen Hund auf dem Schoß. Dies war der verheißungsvolle Tag, an dem ich lernte, dass das hebräische Wort für „spitz“, ebenfalls „spitz“ ist. Zu dieser Erkenntnis, kam ich, da ihr Hund Spitz hieß und ich sie nach der Bedeutung des Namens fragte. Danach unterhielten wir uns und sie erklärte mir viel über die Gegend durch die wir fuhren. Die Busfahrt ging so relativ schnell um.
Nachdem wir in Tel Aviv angekommen waren, fuhren wir mit einem Sammeltaxi nach Jerusalem.
Viele Israelis sagen, dass man nach Jerusalem geht, um zu beten und das stimmt wirklich. Die Stadt ist sehr gläubig und durch die vielen Religionen geprägt. Als wir abends ankamen, war die Stadt wirklich wie ausgestorben. Der Schabbat hat gerade bekommen und die einzigen Menschen die wir sahen, kamen gerade aus der Synagoge. Eine Begegnung hat mich allerdings sehr gefreut und erstaunt. Wir waren gerade auf der Suche nach unserem Hostel und wir wussten weit und breit nicht wen wir nach dem Weg fragen sollten, als wir auf einmal zwei andere Menschen sahen, die ebenfalls nicht aus Jerusalem zu sein schienen. Ich ging auf einen von ihnen zu und fragte ihn auf Englisch nach dem Weg. Er starrte mich nur an, dann begann er zu grinsen und sagte: „Wir kennen uns doch.“ Ich war verwirrt, da ich mich nicht an ihn erinnerte. Aber er beharrte darauf dass er mich kennt und sagte dann schließlich: „Du bist doch Farid! Du hast, wie ich, am Geschichtswettbewerb teilgenommen und du warst bei dem Seminar der Köber-Akademie dabei!“ Ich war baff und habe mich sehr gefreut, denn nachdem er das sagte, erinnerte ich mich wieder an ihn. Das war mein kleines Schabbatwunder, denn ich hätte nicht gedacht, dass ich ihn nochmal wiedersehe und erst recht nicht in Jerusalem. Es stellte sich raus, dass er und sein Freund auch Volontäre in Israel waren. Er konnte uns sogar sagen wo unser Hostel war.

Die Unterkunft befand sich im christlich-arabischen Viertel. Dort waren die Geschäfte noch geöffnet und alles ging seinen normalen Gang. Wir schliefen auf dem Dach des Hostels, da es billiger war und es mehr Platz gab. Zudem wollten wir die Stadt bei morgen sehen (wer mich kennt, weiß dass ich gefroren habe). Das Wiedersehen mit den anderen deutschen Volontären war sehr schön und wir alle haben uns übereinander gefreut.
Als ich am nächsten Tag aufwachte, erwartete mich ein unvergesslicher Blick über Jerusalem. Es war früh am Morgen, aber ich konnte schon jetzt das Leben aus den Straßen und Gassen dieser Stadt fühlen.
Wir haben uns an diesem Tag noch viel angesehen, unter anderem das Nationalmuseum Israel und das deutsche Viertel in Jerusalem, aber alles kann man natürlich nicht an einem Tag sehen, daher möchte ich unbedingt nochmal nach Jerusalem. Ich möchte mir auch beim nächsten Mal mehr Zeit nehmen um durch den Bazar im arabischen Viertel zu gehen. Überall sind aufregende Gerüche, kleine Läden an denen man am liebsten anhalten möchte, um hinein zu schauen. Überall sprechen einen die Menschen an, um dir etwas zu verkaufen oder einfach nur einen kleinen Smalltalk zu führen. Es war schade, dass wir nur zwei Tage da waren. Natürlich wurden die Klassiker, wie Klagemauer und jüdisches Viertel, nicht ausgelassen. Als ich wieder im Bus Richtung Schefa‘Amr saß, war ich noch voller Eindrücke von dieser aufregenden Stadt. Am liebsten wäre ich gleich wieder ausgestiegen und zurück fahren.

Ich bin schon gespannt auf das nächste Mal in Jerusalem.   
 Spitz hat irgendwann beschlossen, dass er meinen Platz beanspruchen will. Auf diesem Foto war nur sein Kopf auf meinem Bein. Fünf Minuten später saß er ganz auf meinem Schoß.

 Blick auf Old City vom Dach des Hostels

         Unser Nachtlager

Auf dem Dach des Hostels. Wir alle haben viel zu erzählen.

 Der Bazar im arabischen Viertel in Jerusalem

 In der Nähe der Klagemauer: Der Papagei ist das Haustier des Souvenirladen und begrüßt die Gäste

Vor der Klagemauer: 
Männer und Frauen dürfen nur getrennt an die Mauer und eine zu Kippa tragen ist Pflicht.

 Jaffa Gate. Der Eingang zum arabischen Viertel

 Besonders hier ist das Militär sehr stark präsent



Donnerstag, 17. Oktober 2013

Erster Tag in Schefa' Amr

Hier ist meine Fortsetzung zum ersten Post.
Ich wachte am ersten Tag auf und realisierte das erste mal dass ich nun endgültig für die nächsten 9 Monate ein komplett anderes Leben führen werde, als das was ich bisher lebte. Der Ort in dem ich die erste Nacht geschlafen habe hieß Kirijat Tiw'on. Er war eigentlich wie ein kleines europäisches Dorf. Das kommt daher, dass die Stadt zwischen 1933 und 1939 von vorwiegend deutschen Juden gegründet wurde, die aus Deutschland geflüchtet sind. Heute ist hier alles sehr sauber und ordentlich. Bis auf die Sprache, das Wetter und die Umgebung, sieht man tatsächlich keinen Unterschied zu einem Leben in Europa. Das hat mich sehr verwundert. Allerdings ist das in den meisten jüdischen Siedlungen der Fall. Ich frühstückte auf dem Balkon bei strahlend blauem Himmel, warmen 28 Grad und einem tollen Blick auf Haifa und das Meer. Nach dem Frühstück konnte ich es kaum erwarten endlich nach Schefa' Amr zu fahren.

Shefa' Amr ist keine 30 Kilometer von Kirijat Tiw'on entfernt und dennoch hat man das Gefühl man fährt in eine andere Welt, wenn man nach Schefa' Amr kommt. Die Straßen hier sind eher schlecht, alles ist leicht chaotisch und auch ist es längst nicht so sauber wie in einer Siedlung. Viele Araber sind sehr unzufrieden mit ihrer Situation und wenn man einige Ecken in Schefa' Amr sieht kann man das auch gut verstehen.
Ein Großteil der hier lebenden Bevölkerung sind arabische Christen. Es leben hier allerdings auch relativ viele Drusen, sunnitische Moslemin und Beduinen. Das zusammenleben dieser vier Gruppen ist wirklich sehr interessant und faszinierend. Wie überall gibt es zwar auch hier Konflikte zwischen den Gruppen, jedoch habe ich den Eindruck dass das Zusammenleben hier sehr gut funktioniert und dass die unterschiedlichen Gruppen sehr viel Toleranz füreinander haben. Das sieht man auch daran, dass es zwar christliche und muslimische Schulen gibt, jedoch sind die Schüler in diesen Schulen meistens gemischt. Ein Nachbar von mir, der auf eine griechisch katholische Schule geht, erzählte mir dass auf seiner Schule auch viele Moslemin sind und dass es eigentlich die Regel ist, dass die Schulen gemischt sind. Auch der Kindergarten, in dem ich arbeite ist gemischt.

An meinem ersten Arbeitstag wurde ich sowohl von den Kindern als auch von den Erzieherinnen unglaublich herzlich willkommen geheißen. Die Kinder stürmen sofort auf einen zu. Sie freuen sich unglaublich und begrüßen dich mit Geschrei und vielen Küssen. Die Erzieherinnen lachten mir entgegen und waren sofort bemüht es mir so recht wie möglich zu machen. Darüber musst ich sehr lachen, denn eigentlich war ich doch derjenige der arbeiten sollte. Trotzdem war mein erster Tag auch anstrengend. Meine erste Aufgabe war es, eine Frucht zu zerteilen, die aussah wie eine sehr große grüne Zitrone. Sie schmeckte auch ähnlich, sie war jedoch etwas süßer. Die Kinder sollten sie zum Frühstück bekommen und ich sollte sie verteilen. Das stellte sich jedoch als schwieriger als gedacht heraus und so wurde die Horde wartender Kinder mehr und mehr ungeduldiger. Chalit begann seine Freundin Rina schon mit Holzklötzen zu füttern. Rina fand das eine gute Idee und biss hineine. Als ich das sah wurde ich ebenfalls nervös. Diese unerwartete Verköstigung blieb glücklicherweise das einzige dramatische Ereignis an diesem Tag

Nachdem der erste Arbeitstag erfolgreich abgeschlossen war ging ich zu meiner Gastfamilie. Dort wurde auch mein Koffer endlich von EL AL hingeliefert. Jedoch nur ein Koffer. Mein Handgepäck blieb bei EL AL. Auch meine Gastfamilie empfing mich mit offenen Armen und war sehr freundlich. Die ganze Familie meiner Gastfamilie wohnt im gleichen Viertel. Sie sind Christen und ihrer Familie gehört schon seit Jahren ein Hügel auf dem sie noch heute Leben. Von ihren Haus hat man einen wahnsinnig schönen Blick auf ganz Schefa' Amr. Das Haus ist schön und sehr groß. Es ist zwar etwas unordentlich und nicht das sauberste aber wer mich kennt weiß dass ich mit Unordnung noch nie ein Problem hatte. Außerdem ist hier ein kleiner Hund in meiner Umgebung, der macht jede Unordnung nur noch halb so schlimm. Wie schon am Vortag viel ich auch diesen Tag wiedermal sehr erschöpf in mein Bett.
Das war mein erster Tag in Schefa' Amr. Im Gegensatz zum ersten Post ist der hier doch etwas unspektakulär aber mein Post zum Ausflug nach Jerusalem wird wieder etwas spannender. Wie gewohnt sind hier ein paar Fotos.
 Schefa' Amr
 Schon an meinem ersten Tag durfte ich mich künstlerisch austoben indem ich Wellen ins Bad der Kinder gemalt habe. Naja, Geschmäcker sind verschieden aber ich habe mich, glaube ich, ganz gut geschlagen.

 Ich liebe Kumquat. Dieser Strauch blieb nicht von mir verschont.

 der Kindergarten El Zeitun
  Schefa' Amr: Leider teilweise sehr dreckig aber ich persönlich mag so ein Chaos. Das war ebenfalls ein Grund warum ich mich für diesen Ort entschieden habe. Es ist kein Stück wie Deutschland.


Samstag, 12. Oktober 2013

Tohuwabohu

Shalom kulo!

Wie die Überschrift dieses Eintrages schon verrät, war meine Einreise ein echtes "Tohuwabohu". Es begann am Flughafen in Prag. Ich dachte, ich hätte den chaotischsten Teil hinter mir, als wir endlich das richtige Gate gefunden haben, aber dort ging das ganze Hin und Her erst richtig los. Zuerst wurde ich am Flughafen in Prag von Security-Leuten der El-Al (israelische Fluggesellschaft) empfangen. Bei El-Al ist es nicht unüblich, dass man schon beim Check-In gefragt wird, was man in Israel macht und wie lange man bleiben möchte. Normalerweise läuft das alles recht harmlos ab, aber in meinem Fall war das etwas anders: Araber und Menschen mit arabischen Wurzeln werden etwas genauer befragt, oft wird auch ihr Gepäck gründlich untersucht. Ich blieb davon leider nicht verschont und musste in einer zweistündigen Prozedur allerlei Fragen beantworten. Die meiste Zeit bestand allerdings daraus, dass ich in einem seltsamen Raum, der einer Abstellkammer ähnelte, warten durfte.
Naja, wenigstens war ich in netter Gesellschaft, denn ein junger Palästinenser musste ebenfalls warten und sich befragen lassen. Wir unterhielten uns nett und nahmen die Sache so weit wie möglich mit Humor.
Ich hatte schon Angst, dass ich meinen Flug wegen der ewigen Warterei und Befragung verpasse, denn ich hatte nur noch eine halbe Stunde Zeit bis mein Flugzeug Prag verlassen sollte. Doch dann ging auf einmal alles sehr schnell. Nachdem ich das Vergnügen hatte, mich in einem Nebenraum bis auf die Unterhose auszuziehen und mich mit erhobenen Händen nach Sprengstoff und Waffen untersuchen zu lassen, wurde ich von den Sicherheitsleuten der EL-AL direkt zum Flieger gebracht. Mein Gepäck wurde jedoch noch auseinander genommen und so wurde mir gesagt, dass es mit der nächsten Maschine kommen wird und ich es in Tel Aviv abholen kann. Als ich nun endlich im Flieger saß, hatte ich nichts außer meinem Pass, meinem Portemonnaie und einer Packung Kaugummis bei mir. Aber immerhin war ich nun endlich im Flieger in Richtung Israel.
In den 5 Stunden Flugzeit konnte ich kaum schlafen. Das lag nicht nur an meinem Sitznachbarn, der locker zwei Sitze gebraucht hätte, sondern auch daran, dass sich langsam das Gefühl von Aufregung, Freude und Ungewissheit in mir breit machte.
Nach einer gefühlten Ewigkeit blinkte endlich das Symbol über mir auf, welches die Fluggäste dazu aufforderte, sich anzuschnallen. Auch die Stimme des Piloten, die auf die baldige Ankunft in Tel Aviv aufmerksam machte, kam mir unheimlich erlösend vor. Meine Erschöpfung war von diesem Moment an weg und ich war wieder hell wach.

In Tel Aviv angekommen stand mir nun die nächste Hürde bevor, die ich meistern sollte. Denn auch dieses Mal wurde ich an der Passkontrolle glatt aussortiert und durfte mich erneut einer zweistündigen Prozedur aus Warten und Interview unterziehen. Als diese nun auch endlich ein Ende fand, kam ich völlig fertig und übermüdet zu dem Band, an dem angeblich meine Sachen auf mich warten sollten. Doch ich fand meinen Koffer nicht. Stattdessen lachten mir zwei freundliche Gesichter entgegen. Es waren Rani und Sanna. Ich hatte die beiden schon in Prag getroffen da sie, wie ich, länger warten mussten. Rani war der palästinensische Student den ich in der "Kammer des Schreckens" getroffen habe (wir haben den Raum, in dem wir durchsucht wurden, spöttisch so getauft). Sanna hingegen war eine Autorin aus Finnland, die in Israel lebt und dort hauptsächlich medizinische Bücher schreibt und übersetzt. Bald kam auch Frieda dazu. Sie wartete mit Sana schon in Prag zusammen und war eine Studentin aus Dresden. Ich war unendlich froh, nach dieser harten Nacht endlich ein paar freundliche und bekannte Gesichter zu sehen, dass ich anfing laut zu lachen. Es war inzwischen 5 Uhr morgens, ich kannte die drei gerademal 10 Stunden und dennoch hatten sie auf mich gewartet, sich Sorgen gemacht und mir sofort etwas zu Essen organisiert, als ich endlich ankam. Ich war von dieser Hilfsbereitschaft total erschlagen und überglücklich. Das war das erste Mal, an dem ich das wahre Gesicht Israels endlich kennen lernen durfte. Denn die Menschen sind hier eigentlich alle sehr freundlich und hilfsbereit. Wir warteten zusammen. Eine Stunde, zwei Stunden. Dann bekam nach und nach jeder von uns die Nachricht, dass ein Gepäckstück fehlte oder noch in Prag sei und dass unser Gepäck nachgesendet werden müsste. Bei mir waren dass leider beide Gepäckstücke. Ich bekam stattdessen von El-Al eine Art Waschtasche in der sich Zahnbürste, T-Shirt, Shampoo und noch allerlei Zeug befand, was man zum „Überleben“ brauchte. Diese Tasche war relativ klein und ich war erstaunt wie viele Sachen dort drin Platz hatten. Aber das nur nebenbei. Ich verabschiedete mich von meinen Flugbekanntschaften, stopfte meine Waschtasche in eine Plastiktüte aus einem Flughafenshop und spazierte einfach drauflos.

Ich musste zunächst in das Zentrum von Tel Aviv, um mich bei einer Kibutzstelle zu melden, die für mich das Volontärvisum organisiert hatte. Meine Müdigkeit kam langsam wieder zurück und deshalb wollte ich schnell mit einem Taxi ins Zentrum fahren. Also stieg ich in ein Taxi und fuhr los. Nach kurzer Zeit fiel mir allerdings auf, dass der Weg doch weiter ist, als ich gedacht habe und dass ein Taxi in Israel wirklich alles andere als billig ist. Aus Panik mein ganzes Geld schon zu verlieren, bevor ich überhaupt richtig angekommen war, ließ ich mich an der nächsten Bushaltestelle aus setzten. Da saß ich nun, die gnadenlose Sonne bei 29 Grad knallte auf mich, in meiner Hand eine Plastiktüte mit dem kläglichen Rest-Gepäck, der mir geblieben ist. Um mich herum standen ein paar Soldaten, die mich mit einem Blick aus Verwunderung, Mitleid und Belustigung musterten. Ich merkte wie mein Körper langsam schlapp machte und raffte mich daher noch einmal zusammen, um einen der Soldaten nach dem Weg ins Zentrum von Tel Aviv zu fragen.
Als der Bus endlich ankam und ich leicht unsicher mein Portemonnaie in die Hand nahm, während ich einstieg, lernte ich endlich die Seite Israels kennen, auf die ich mich gefreut hatte und wie ich mir jene vorgestellt hatte. Als ich zögerlich nach der Station fragte, an der ich aussteigen müsste, lachte der Busfahrer nur und machte mir mit einer Mischung aus gebrochenen Englisch und wilden Gesten deutlich, dass ich mich erst mal hinsetzten soll und er mir Bescheid sagen würde, wenn ich aussteigen soll. Als ich mein Portemonnaie zückte, um eine Fahrkarte zu kaufen, winkte er mit einem weiteren Lachen ab und fuhr los. Als sich ein Soldat und eine junge Israelin in mein Gespräch mit dem Busfahrer einmischten, waren beide sofort willig mir zu helfen. Schnell hatten beide ihre Handys in der Hand, um für mich einen passenden Weg zur Kibbutzstelle zu finden. Schließlich kam ich wohlbehalten an der Kibbutzstelle an. Den restlichen Tag war ich damit beschäftigt von einem Bus in den anderen zu steigen, um nach Kiryat Tivon (Kirjat Tiw'on) zu fahren, wo meine Ansprechpartnerin für meine Zeit in Israel wohnt. Auch hier wurde ich von ihr und ihrer Familie herzlich aufgenommen und willkommen geheißen. Als ich bei ihr war, war es bereits 13 Uhr und ich war seit 29 Stunden auf den Beinen. Total erschlagen und müde fiel ich in mein Bett und wachte erst abends wieder auf.

Das waren meine ersten Erlebnisse in Israel. Von heute betrachtet, war es schon ein Abenteuer. Ich werde bald über meine Arbeit, meine Gastfamilie und über meinen Besuch in Jerusalem schreiben. Aber das soll fürs Erste reichen.
Hier noch ein paar Bilder (Die Qualität ist schlecht, da ich sie mit meinem Handy gemacht habe. Meine Kamera war noch bei EL AL.):

 29 Stunden kein Auge zugemacht.
Das sah man mir am Ende schon an.

Im Hintergrund sieht man das Meer in Tel Aviv.
Ich war unglaublich glücklich, als ich das endlich gesehen habe.
Das Meer war auch ein Grund, weshalb ich nach Israel wollte.

Ben Gurion Flughafen.

Busstation in Tel Aviv