Mittwoch, 12. Februar 2014

Weihnachten Silvester und das neue Jahr


Nun habe ich den ganzen Januar nichts geschrieben. Dafür wird dieser Post, wie gewöhnlich, sehr lang - schonmal Gratulation an alle die bis zum Schluss durchhalten.

Am 23. Dezember 2013 hatten wir unseren letzten Arbeitstag. Noch nie wurde ich auf so komische Weise in Weihnachtsstimmung versetzt. 15 Grad, der Himmel eher grau und die Bäume grün. Die ganze Vorweihnachtszeit zog an mir vorbei und wurde von mir kaum wahr genommen. Bis zum 22. Dezember. Ich kam von einem schönen Wochenende aus Tel Aviv zurück, als ich überall Kirchenglocken hörte. Ich wunderte mich schon und dachte kurz dass ich im falschen Ort ausgestiegen wäre. Ich erkannte aber sofort Shfer‘- Amr. Im nächsten Moment hörte ich überall laut hupende Autos, sie fuhren an mir vorbei und in ihnen saßen lauter Weihnachtsmänner, die aus dem Fenster riefen und Glocken aus dem Fenster schwangen. Ja, es war so skurril wie es sich anhört und ich, erschöpft und müde von der Busfahrt, stand an der Haltestell und schaute irritiert auf das Geschehen. Aber ich habe schnell Gefallen an diesem Ritual gefunden, so dass ich das erste Mal in diesem Jahr richtig auf Weihnachten freute. Wie schon gesagt, musste ich auch am 23. Eine Lehrerin verkleidete sich als Weihnachtsmann, die Kinder sangen und riefen „frohe Weihnachten“ und es wurden Süßigkeiten verteilt. Christen, Musleminen und Drusen, alle freuten sich auf Weihnachten. Weihnachten hat für Christen natürlich eine tiefe Bedeutung, allerdings spielte diese nicht die größte Rolle. Die größte Rolle spielt die Freude der Kinder auf Geschenke und eine schöne Zeit voller Schokolade, Sahlab (süßes, arabisches Weihnachtsgetränk) und vielen anderen Süßigkeiten. Das klingt wahrscheinlich sehr oberflächig, allerdings ist es schön dass alle Religionen gemeinsam feiern und sich auf Weihnachten freuen.
Auch in meiner Gastfamilie wurde Weihnachten gefeiert. Am 24. wurde gegrillt (es war sehr warm für diese Jahreszeit) und wir aßen gemeinsam. Zudem liefen rauf und runter arabische Weihnachtslieder im CD-Player. Am 25. kam dann die ganze Familie und nochmal wurde ausgiebig zusammen gegessen (ich habe bis jetzt noch kein arabisches Fest miterlebt bei dem ich am Ende nicht das Gefühl hatte dass ich platze!). Ich habe mich dieses Mal allerdings vorbereitet. Bis zu Beginn des Weihnachtsessens, habe ich nichts gegessen sondern die ganze Zeit nur mein Zimmer aufgeräumt und beim Putzen und Kochen geholfen. Als es dann los ging konnte ich es kaum noch erwarten und aß so viel, dass die Schwester meines Gastvaters lachend meinen arabischen Appetit lobte. Punkten konnte ich auch beim anschließenden 7-gewinnt-Spiel nach dem Essen und bei Backgamon (Schischbisch).

Die restlichen Tage zogen an mir vorbei. Ich erwartete voller Aufregung und Spannung die Ankunft von zwei Freunden aus Dresden. Ich habe mit Jack bis jetzt fast jedes Silvester gemeinsam gefeiert und diese Tradition wollten wir nicht aufgeben nur weil ich mal eben 5500 km entfernt bin. Also beschlossen er und seine Schwester Eli, mich zu besuchen. Ich freute mich sehr über ihren Besuch, ich hatte nicht nur ein Stück Dresden in Israel sondern auch noch die Gelegenheit mal wieder eine richtige „Touritour“ zu machen. Natürlich ging es zuerst nach Jerusalem. Es war schon mein drittes Mal in dieser faszinierenden Stadt. Jedes Mal gibt es neues zu entdecken und ich hatte die Gelegenheit endlich den Felsendom und Yod Vashem zu erleben. Yod Vashem, die Holocaustgedenkstädte, war sehr erschütternd. Diese Thematik ist gerade in Deutschland und Israel sehr präsent und unumgänglich, deshalb habe ich mir für die Ausstellung und die Denkmale besonders viel Zeit genommen.

Unsere Unterkunft in Jerusalem war wirklich sehr gewöhnungsbedürftig. Ich hatte nicht daran gedacht, dass Jerusalem um die Weihnachtszeit fast ausgebucht ist und daher nichts reserviert. Auch die anderen haben nicht damit gerechnet und so versuchte ich am Tag der Anreise noch etwas zu organisieren. Als ich endlich ein Hostel in der Nähe der Altstadt fand, welches für Jerusalem sogar noch recht günstig war, rief ich sofort an. Am Telefon wollte ich dann reservieren und mich nach dem Preis erkundigen. Der Besitzer sprach ein sehr gebrochenes Englisch und wimmelte mich schließlich mit folgenden Worten ab: „Come to our house. We find a good place for you and we make a good price.” Besonders der letzte Teil des Satz ließ mich allerdings hartnäckiger werden. We make a good price, heißt in Israel so viel wie, „lass mich in Ruhe und komm einfach her“. Ich bestand also darauf dass er mir einen Preis nannte und dass ich sofort reservieren kann. Schließlich nannte er mir den Preis (100 Schekel pro Nacht) und versicherte mir, dass Betten da seien werden wenn wir kommen. Wir kamen also am späten Abend im Hostel an und wie erwartet war die Zusage auf Betten doch nicht so sicher, wie es am Telefon klang. Unser Quartier war am Ende ein Dachboden mit vier Matratzen, einer offenen Tür und einer lahmgelegten Baustelle davor. Wir waren sprachlos, denn zudem war das „Zimmer“ auch noch unsauber und die Hauskatze huschte gerade vom Sofa als wir den Raum betraten. Jedoch trauten wir uns nicht zu verhandeln, da wir wussten dass ganz Jerusalem ausgebucht war. Uns blieb nichts anderes übrig, als für diese Nacht das Beste aus unserer Situation zu machen. Das Sofa schoben wir als Türersatz vor den Raum, in der Hoffnung dass wir unser Quartier nicht mit den Katzen der Umgebung teilen müssen. Dann machten wir einen langen Spaziergang durch die Altstadt um auf andere Gedanken zu kommen. Ich persönlich, habe in dieser Nacht als unerwartet gut in Erinnerung, was wahrscheinlich daran liegt, dass ich schon sehr viel unbequemere Nächte in Israel verbracht habe (ich erinnere an dieser Stelle an den Kampf mit den Mücken im Oktober oder an die Nacht als ich am Steinstrand des Toten Meeres geschlafen habe). Jedoch blieb eine unangenehme Situation in dieser Nacht doch nicht aus, denn in der Nacht weckte mich ein seltsames Kratzen auf meinem Bein. Als ich aufwachte musste ich feststellen, dass meine Befürchtung nicht ganz unbegründet war. Das Kratzen stammte von den Krallen der Hauskatze, die meinen Schlafsack wahrscheinlich ähnlich kuschlig und gemütlich wie ich fand. Als ich aufwachte wollte sie es sich gerade auf mir bequem machen. Ich bin zwar ein großer Tierfreund und war auch etwas gerührt von dem Vertrauen der Katze zu mir, jedoch beschloss ich trotzdem aus hygienischen Gründen und aus Respekt den anderen gegenüber, sie zu vertreiben. Am nächsten Morgen erzählte ich zwar dass uns eine Katze besuchte, ich verschwieg allerdings den Ort an dem ich sie gefunden habe um bei den anderen keinen noch größeren Ekel auszulösen. Die nächsten zwei Tage bekamen wir dann auch Betten in einem Sammelzimmer und unser Schlaf wurde nur noch durch laut schnarchende Touristen gestört (mir war die Katze lieber, die war wenigstens leise).

Silvester feierten wir in Tel Aviv. Auch hier bekamen wir keinen Hostelplatz mehr und so gönnten wir uns den Luxus eine Nacht in einem Hotel zu schlafen. Wir alle genossen den Luxus den ein Hotelzimmer bietet in vollen Zügen. Wir freuten uns unheimlich über ein sauberes und EIGENES Badezimmer, über saubere und frischbezogene Betten und über einen großen TV in jedem Doppelzimmer, der sogar deutsches Programm hatte. Es ist merkwürdig so etwas zu schreiben aber ich habe wirklich schon lange keine Nacht mehr im Hotel verbracht. Silvester wurde dann in Tel Aviv gefeiert.
Die nächsten Tage verbrachten wir in Afula, Beth Shean und zum Schluss waren wir noch ein paar Tage in Akko.

Meine Weihnachtferien waren unglaublich schön und erholsam. Es ist ja mein erstes mal dass ich für so lange Zeit so weit von meiner Heimat entfernt bin und so hat es sehr gut getan mal wieder ein paar vertraute Gesichter zu sehen. Als Eli und Jack dann wieder zurückflogen, konnte ich mich wieder richtig auf meine Arbeit in Shfer Amr  freuen.

Jetzt gibt es wie gewöhnlich noch ein paar Fotos von unserer Reise.