Montag, 30. Juni 2014

Hebron

Nach meinem langen und erholsamen Urlaub wollte ich mal wieder einen neuen Teil Israels entdecken. In einem jüdischen Bus fuhr ich in die Siedlungen und die besetzten Gebiete in Hebron.


Eine Freundin von mir bekam das Angebot an einer Bustour durch die wichtigsten jüdischen Stätten in Hebron und seiner Umgebung teilzunehmen. Sie fragte mich ob ich Lust hätte mitzukommen und ich war erstmal etwas überrascht. Ich hatte bisher keine Berührungspunkte mit Siedlern und ehrlich gesagt, wollte ich diese auch gar nicht. Allerdings war ich schon interessiert an jüdischer Kultur und eine Chance auf einen derartigen Einblick hätte ich auch nicht ein zweites Mal bekommen. Am Ende war der ausschlaggebende Punkt für meine Zusage doch meine Neugier auf eine andere Seite Israels und eines Konfliktes. Von dieser Seite hatte ich bisher nur gelesen oder gehört. Meine Gefühle für Siedler und Siedlungen reichten auf einer Skalar von Angst und Wut bis hin zu Ohnmacht und Faszination.
Nun setzte ich mich in einen Bus voller streng jüdischer Touristen und fahre in die umstrittenste Siedlung Palästinas. Mit dem Namen Farid Galal. Wahrscheinlich bin ich der erste und letzte Farid, der jemals so einen Bus von Innen gesehen hat.
die Mauer aus dem Bus. Auf dem Weg zum Grab von Rachel- direkt neben Bethlehem



Warnschild an palästinensischen Straßen 

Unser erster Stop war das Grab von Rachel. Es liegt direkt neben der Mauer an Bethlehem. Dort ist seit 1700 Jahren das Grabmal der Stammmutter Rachel. Als ich in das Grab eintrat fühlte ich mich sehr unpassend und fremd. Ich schlich verunsichert zwischen lauter streng religiösen Menschen herum und hatte große Angst etwas falsch zu machen. Natürlich war ich nicht das erste mal in einem jüdischen Umfeld, so dass ich nicht völlig planlos war- mein unwohles Gefühl blieb aber. Als mich schließlich ein orthodoxer Jude auf Jiddisch ansprach, da er mitbekam dass ich aus Deutschland war, wurde mir die ganze Sache doch zu unheimlich und ich suchte schleunigst den Ausgang. Ein amerikanisch jüdischer Tourist aus unserem Bus traf mich draußen und bemerkte wohl meine Verunsicherung. Er sprach mich an, kam mit mir ins Gespräch und fragte mich schließlich ob ich nochmal mit ihm zusammen in das Grab gehen möchte. Er war bereits zum zweiten mal an diesem Ort und wollte mir ein paar Besonderheiten zeigen. Mit meinem neu gewonnen Beistand ging ich nun nochmals in die Grabstätte. Ich war so glücklich dass ich nun mit jemandem unterwegs war der wirklich Ahnung hatte und mir Anleitung gab.

Auch der Rest der Tour war sehr interessant. Ich habe nicht noch einmal so einen tiefen Einblick in jüdische Kultur bekommen. Es war sehr spannend und interessant.
Der politische Aspekt der Tour hat mir jedoch nicht sehr gefallen. Es wurde immer wieder sehr abwertend und spöttisch über Araber geredet. Araber aus Hebron wurden zum Beispiel leider als steinewerfenden Terroristen bezeichnet. Man sprach auch über friedliche Araber, jedoch beschrieb unser Guide diese als unpolitische Olivenbauern, die nichts mit dem Konflikt im Nahen Osten zutun haben wollen. So denken traurigerweise sehr viele Siedler.

Ich bereue es auf keinen Fall an dieser Tour teilgenommen zu haben. Wenn man sich ein Bild über eine Situation machen will ist es am wichtigsten jeder Stimme eine Chance und einen Platz zu geben. Dieser Grundsatz ist existenziell für jede Problemlösung. Leider wird er gerade hier viel zu wenig geachtet. Ich hoffe es werden viele den gleichen Schritt wagen wie ich und endlich beginnen sich ernsthaft und fair mit seinem Gegenüber auseinanderzusetzten.
Synagoge und Gemeindehaus in Hebron

Synagoge in einer alten Moschee

500 Jahre alte Thora

Checkpoint in Hebron 

 
   

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