Nun habe ich den ganzen Januar nichts geschrieben. Dafür wird
dieser Post, wie gewöhnlich, sehr lang - schonmal Gratulation an alle die bis
zum Schluss durchhalten.
Am 23. Dezember 2013 hatten wir unseren letzten Arbeitstag. Noch
nie wurde ich auf so komische Weise in Weihnachtsstimmung versetzt. 15 Grad,
der Himmel eher grau und die Bäume grün. Die ganze Vorweihnachtszeit zog an mir
vorbei und wurde von mir kaum wahr genommen. Bis zum 22. Dezember. Ich kam von
einem schönen Wochenende aus Tel Aviv zurück, als ich überall Kirchenglocken
hörte. Ich wunderte mich schon und dachte kurz dass ich im falschen Ort
ausgestiegen wäre. Ich erkannte aber sofort Shfer‘- Amr. Im nächsten Moment
hörte ich überall laut hupende Autos, sie fuhren an mir vorbei und in ihnen
saßen lauter Weihnachtsmänner, die aus dem Fenster riefen und Glocken aus dem
Fenster schwangen. Ja, es war so skurril wie es sich anhört und ich, erschöpft
und müde von der Busfahrt, stand an der Haltestell und schaute irritiert auf
das Geschehen. Aber ich habe schnell Gefallen an diesem Ritual gefunden, so
dass ich das erste Mal in diesem Jahr richtig auf Weihnachten freute. Wie schon
gesagt, musste ich auch am 23. Eine Lehrerin verkleidete sich als
Weihnachtsmann, die Kinder sangen und riefen „frohe Weihnachten“ und es wurden
Süßigkeiten verteilt. Christen, Musleminen und Drusen, alle freuten sich auf
Weihnachten. Weihnachten hat für Christen natürlich eine tiefe Bedeutung,
allerdings spielte diese nicht die größte Rolle. Die größte Rolle spielt die
Freude der Kinder auf Geschenke und eine schöne Zeit voller Schokolade, Sahlab
(süßes, arabisches Weihnachtsgetränk) und vielen anderen Süßigkeiten. Das
klingt wahrscheinlich sehr oberflächig, allerdings ist es schön dass alle
Religionen gemeinsam feiern und sich auf Weihnachten freuen.
Auch in meiner Gastfamilie wurde Weihnachten gefeiert. Am 24. wurde
gegrillt (es war sehr warm für diese Jahreszeit) und wir aßen gemeinsam. Zudem
liefen rauf und runter arabische Weihnachtslieder im CD-Player. Am 25. kam dann
die ganze Familie und nochmal wurde ausgiebig zusammen gegessen (ich habe bis
jetzt noch kein arabisches Fest miterlebt bei dem ich am Ende nicht das Gefühl
hatte dass ich platze!). Ich habe mich dieses Mal allerdings vorbereitet. Bis
zu Beginn des Weihnachtsessens, habe ich nichts gegessen sondern die ganze Zeit
nur mein Zimmer aufgeräumt und beim Putzen und Kochen geholfen. Als es dann los
ging konnte ich es kaum noch erwarten und aß so viel, dass die Schwester meines
Gastvaters lachend meinen arabischen Appetit lobte. Punkten konnte ich auch
beim anschließenden 7-gewinnt-Spiel nach dem Essen und bei Backgamon
(Schischbisch).
Die restlichen Tage zogen an mir vorbei. Ich erwartete voller
Aufregung und Spannung die Ankunft von zwei Freunden aus Dresden. Ich habe mit
Jack bis jetzt fast jedes Silvester gemeinsam gefeiert und diese Tradition
wollten wir nicht aufgeben nur weil ich mal eben 5500 km entfernt bin. Also
beschlossen er und seine Schwester Eli, mich zu besuchen. Ich freute mich sehr
über ihren Besuch, ich hatte nicht nur ein Stück Dresden in Israel sondern auch
noch die Gelegenheit mal wieder eine richtige „Touritour“ zu machen. Natürlich
ging es zuerst nach Jerusalem. Es war schon mein drittes Mal in dieser
faszinierenden Stadt. Jedes Mal gibt es neues zu entdecken und ich hatte die
Gelegenheit endlich den Felsendom und Yod Vashem zu erleben. Yod Vashem, die
Holocaustgedenkstädte, war sehr erschütternd. Diese Thematik ist gerade in
Deutschland und Israel sehr präsent und unumgänglich, deshalb habe ich mir für
die Ausstellung und die Denkmale besonders viel Zeit genommen.
Unsere Unterkunft in Jerusalem war wirklich sehr
gewöhnungsbedürftig. Ich hatte nicht daran gedacht, dass Jerusalem um die
Weihnachtszeit fast ausgebucht ist und daher nichts reserviert. Auch die
anderen haben nicht damit gerechnet und so versuchte ich am Tag der Anreise
noch etwas zu organisieren. Als ich endlich ein Hostel in der Nähe der Altstadt
fand, welches für Jerusalem sogar noch recht günstig war, rief ich sofort an.
Am Telefon wollte ich dann reservieren und mich nach dem Preis erkundigen. Der
Besitzer sprach ein sehr gebrochenes Englisch und wimmelte mich schließlich mit
folgenden Worten ab: „Come to our house. We find a good
place for you and we make a good price.” Besonders der letzte Teil des Satz ließ mich allerdings
hartnäckiger werden. We make a good price, heißt in Israel so viel wie, „lass
mich in Ruhe und komm einfach her“. Ich bestand also darauf dass er mir einen
Preis nannte und dass ich sofort reservieren kann. Schließlich nannte er mir
den Preis (100 Schekel pro Nacht) und versicherte mir, dass Betten da seien
werden wenn wir kommen. Wir kamen also am späten Abend im Hostel an und wie
erwartet war die Zusage auf Betten doch nicht so sicher, wie es am Telefon
klang. Unser Quartier war am Ende ein Dachboden mit vier Matratzen, einer
offenen Tür und einer lahmgelegten Baustelle davor. Wir waren sprachlos, denn
zudem war das „Zimmer“ auch noch unsauber und die Hauskatze huschte gerade vom
Sofa als wir den Raum betraten. Jedoch trauten wir uns nicht zu verhandeln, da
wir wussten dass ganz Jerusalem ausgebucht war. Uns blieb nichts anderes übrig,
als für diese Nacht das Beste aus unserer Situation zu machen. Das Sofa schoben
wir als Türersatz vor den Raum, in der Hoffnung dass wir unser Quartier nicht
mit den Katzen der Umgebung teilen müssen. Dann machten wir einen langen
Spaziergang durch die Altstadt um auf andere Gedanken zu kommen. Ich persönlich,
habe in dieser Nacht als unerwartet gut in Erinnerung, was wahrscheinlich daran
liegt, dass ich schon sehr viel unbequemere Nächte in Israel verbracht habe
(ich erinnere an dieser Stelle an den Kampf mit den Mücken im Oktober oder an
die Nacht als ich am Steinstrand des Toten Meeres geschlafen habe). Jedoch
blieb eine unangenehme Situation in dieser Nacht doch nicht aus, denn in der
Nacht weckte mich ein seltsames Kratzen auf meinem Bein. Als ich aufwachte musste
ich feststellen, dass meine Befürchtung nicht ganz unbegründet war. Das Kratzen
stammte von den Krallen der Hauskatze, die meinen Schlafsack wahrscheinlich
ähnlich kuschlig und gemütlich wie ich fand. Als ich aufwachte wollte sie es
sich gerade auf mir bequem machen. Ich bin zwar ein großer Tierfreund und war
auch etwas gerührt von dem Vertrauen der Katze zu mir, jedoch beschloss ich
trotzdem aus hygienischen Gründen und aus Respekt den anderen gegenüber, sie zu
vertreiben. Am nächsten Morgen erzählte ich zwar dass uns eine Katze besuchte,
ich verschwieg allerdings den Ort an dem ich sie gefunden habe um bei den
anderen keinen noch größeren Ekel auszulösen. Die nächsten zwei Tage bekamen
wir dann auch Betten in einem Sammelzimmer und unser Schlaf wurde nur noch durch
laut schnarchende Touristen gestört (mir war die Katze lieber, die war
wenigstens leise).
Silvester feierten wir in Tel Aviv. Auch hier bekamen wir keinen
Hostelplatz mehr und so gönnten wir uns den Luxus eine Nacht in einem Hotel zu
schlafen. Wir alle genossen den Luxus den ein Hotelzimmer bietet in vollen
Zügen. Wir freuten uns unheimlich über ein sauberes und EIGENES Badezimmer,
über saubere und frischbezogene Betten und über einen großen TV in jedem
Doppelzimmer, der sogar deutsches Programm hatte. Es ist merkwürdig so etwas zu
schreiben aber ich habe wirklich schon lange keine Nacht mehr im Hotel
verbracht. Silvester wurde dann in Tel Aviv gefeiert.
Die nächsten Tage verbrachten wir in Afula, Beth Shean und zum
Schluss waren wir noch ein paar Tage in Akko.
Meine Weihnachtferien waren unglaublich schön und erholsam. Es ist
ja mein erstes mal dass ich für so lange Zeit so weit von meiner Heimat
entfernt bin und so hat es sehr gut getan mal wieder ein paar vertraute
Gesichter zu sehen. Als Eli und Jack dann wieder zurückflogen, konnte ich mich
wieder richtig auf meine Arbeit in Shfer Amr
freuen.








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